Historische Wahrzeichen der Uferpromenade in Constanța: Casino und Hotel Palace
Seit dem vergangenen Jahr gehört das berühmte Casino von Constanța wieder zu den Sehenswürdigkeiten der größten rumänischen Stadt am Schwarzen Meer. Nach einer aufwendigen Restaurierung erstrahlt der Jugendstilbau erneut an der Uferpromenade. Wer durch die Altstadt auf der Halbinsel zwischen dem Jachthafen Tomis und dem Handelshafen spaziert, entdeckt dabei nicht nur eines der Wahrzeichen der Stadt, sondern auch viele Spuren ihrer bewegten Geschichte.
Ștefan Baciu und Sorin Georgescu, 09.06.2026, 17:46
Constanța ist weit mehr als ein Badeort am Schwarzen Meer. Besonders die Halbinsel zwischen dem Jachthafen Tomis und dem großen Seehafen lädt zu einem Spaziergang durch mehr als zwei Jahrtausende Geschichte ein. Hier finden sich Spuren zahlreicher Kulturen, die die Stadt geprägt haben. Gegründet wurde sie von griechischen Siedlern aus Milet (gr. Miletos), die die antike Stadt errichteten und Tomis nannten. Im 4. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin der Große die Siedlung erweitern; damals erhielt sie den Namen Constantiana. Zwischen historischen Wohnhäusern, kleinen Geschäften und Straßencafés liegen heute Museen, Kirchen, eine Moschee und andere Zeugnisse der Vergangenheit dicht beieinander.
Das bekannteste Bauwerk der Stadt ist das Casino von Constanța. Der prachtvolle Jugendstilbau entstand zwischen 1904 und 1910 auf Initiative von König Karl I. Bereits zuvor hatten an derselben Stelle zwei ähnliche Gebäude gestanden. Nach jahrelanger Restaurierung ist das Casino heute wieder für Besucher geöffnet. Auf drei Ebenen können Gäste die wechselvolle Geschichte des Hauses erkunden. Zu sehen sind originale Baupläne, historische Dokumente und Ausstellungen, die die Geschichte des Schwarzen Meeres und seiner Unterwasserwelt mit modernen, multimedialen Mitteln erlebbar machen.
Der einstige Ballsaal dient heute als moderner Veranstaltungsraum für Konzerte und Aufführungen. Von dort gelangt man in einen kleineren Saal mit Meerblick – den sogenannten Spiegelsaal. Dass das Casino überhaupt gebaut werden konnte, hing eng mit einem weiteren markanten Gebäude an der Promenade zusammen. Der Historiker Cristian Cealera kennt die Einzelheiten:
„1911 tauchte in Constanța ein Herr aus Monte Carlo auf: Edgar de Marçay. Er bezeichnete sich selbst als Baron und kannte sich bestens mit den Spielbanken der Côte d’Azur, mit Glücksspiel und Roulette aus. Er wollte Betreiber des neu eröffneten Casinos werden und erhielt nach einer Ausschreibung tatsächlich den Zuschlag. 1912 beantragte er bei der Stadtverwaltung die Genehmigung für Glücksspiele im Casino. Die Erlaubnis wurde erteilt – allerdings unter einer Bedingung: In unmittelbarer Nähe musste er ein Hotel errichten, das den Gästen offenstehen sollte, die hier ihr Glück versuchten. So entstand das Hotel Palace.
Das Hotel soll nun ebenfalls restauriert werden. Es war einst ein Luxushaus mit Gästen aus dem In- und Ausland. Hier übernachteten Staatsoberhäupter und Mitglieder ausländischer Regierungen. Auch der Historiker Nicolae Iorga gehörte zu den Stammgästen. Und eine kleine Anekdote am Rande: Auch die berühmte Mița Biciclista aus Bukarest, Feministin, Kurtisane und leidenschaftliche Spielerin, stieg hier regelmäßig ab. Ohne das Hotel Palace hätte das Casino damals gar nicht betrieben werden können.“
Das sogenannte „Hotel der Glücksspieler“ erfüllte seinen ursprünglichen Zweck allerdings nur kurze Zeit. Bereits 1916, zwei Jahre nach seiner Eröffnung, wurde das Gebäude während des Ersten Weltkriegs von der deutschen Armee beschlagnahmt und in ein Lazarett umgewandelt. Nach einigen ruhigeren Jahren folgten die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg. Erneut wurde das Haus militärisch genutzt – zunächst von deutschen Truppen, später von der Roten Armee. Als die sowjetischen Streitkräfte 1958 Rumänien endgültig verließen, waren vom einstigen Luxushotel nur noch die Mauern übrig. Möbel und Kunstgegenstände waren als sogenannte Kriegsreparationen abtransportiert worden. Danach wurde das Palace noch einige Jahrzehnte als Hotel genutzt, sowohl in der kommunistischen Zeit als auch in den ersten Jahren nach 1990. Heute steht das Gebäude leer und wartet auf seine Sanierung.
Das Casino von Constanța dagegen hat eine neue Bestimmung gefunden. Es ist heute ein kulturelles Zentrum und ein lohnendes Ziel für Besucher, die mehr über die Geschichte der Stadt erfahren möchten. Die Ausstellungen erzählen nicht nur die Geschichte des Gebäudes selbst, sondern auch die der Menschen, die in den vergangenen mehr als 110 Jahren hier ein- und ausgingen – direkt am Ufer des Schwarzen Meeres.