Inflation sinkt, Preise steigen weiter
Der Rückgang der Inflation in den letzten zwei Monaten bedeutet nicht zwangsläufig günstigere Lebenshaltungskosten in Rumänien, da sich einige laufende Ausgaben nur schwer reduzieren oder verschieben lassen.
Corina Cristea und Florin Lungu, 23.09.2026, 11:42
Rumänien weist laut Eurostat-Daten die höchste jährliche Inflation unter den europäischen Ländern auf, doch die Werte sinken – von 9,7 % im Mai auf 8,2 % im Juli und 6,3 % im August. Der deutliche Rückgang in den letzten zwei Monaten bedeutet jedoch nicht zwangsläufig niedrigere Preise, da sich einige laufende Ausgaben nur schwer reduzieren oder verschieben lassen. Dienstleistungen stehen nun an erster Stelle der Preissteigerungen: Sie sind viermal so teuer wie Lebensmittel und doppelt so teuer wie sonstige Produkte.
Die Zahlen zeigen, dass Dienstleistungen innerhalb eines Jahres um fast 11,3 % teurer geworden sind, sonstige Produkte um etwa 6,4 % und Lebensmittel um etwas mehr als 2,6 %. Andererseits fällt der Preisanstieg für Dienstleistungen in Restaurants und Cafés um 6,7 % im letzten Jahr in eine Zeit, in der der Sektor bereits mit einem rückläufigen Konsumvolumen zu kämpfen hat.
Flavius Iacubovici, Präsident des rumänischen Verbandes der Finanz- und Bankanalysten, erklärt die steigenden Dienstleistungskosten: „Dienstleistungen sind im Wesentlichen Arbeitsleistung. In einem Friseursalon, einer Autowerkstatt oder einer Arztpraxis sind die Löhne der Hauptkostenfaktor. Die Produktivität im Dienstleistungssektor wächst zwar recht langsam, die Löhne orientieren sich aber weitgehend am Niveau der Gesamtwirtschaft. Man könnte sagen, dass die relativen Preise für Dienstleistungen strukturell steigen. Zudem gleichen Dienstleistungen in einer sich angleichenden Wirtschaft den Rückstand gegenüber der EU am stärksten aus. Das Preisniveau in Rumänien liegt bei etwa 65,1 % des europäischen Durchschnitts.“
Haushalte mit niedrigem Einkommen sind stärker betroffen, da Ausgaben für Strom, Wasser, Transport und medizinische Versorgung einen größeren Teil ihres Budgets ausmachen. Während für einen Haushalt mit hohem Einkommen eine Erhöhung der Reparatur- oder Rechnungskosten die Ersparnisse schmälern kann, bedeutet dieselbe Preissteigerung für eine Familie mit niedrigem Einkommen, dass auf andere notwendige Ausgaben verzichtet werden muss.
Flavius Iacubovici: „Die Kaufkraft sinkt. Das durchschnittliche Nettoeinkommen erreichte im Juli 5.820 Lei (ca. 1.160 Euro), was einem jährlichen Anstieg von 5,5 entspricht, aber unter der Inflationsrate von 8,2 liegt. Es handelt sich um einen regressiven Effekt, da Ausgaben für Strom, Wasser, Transport und Gesundheitsversorgung unvermeidbar sind. Für Haushalte mit niedrigem Einkommen machen diese Ausgaben einen größeren Teil des Budgets aus, und die Inflation, die sie in der Praxis spüren, ist höher als der offizielle Durchschnitt.“
Auch für Unternehmen stellen steigende Kosten und sinkende Nachfrage eine schwierige Kombination dar – nicht alle Kosten können vollständig an die Kunden weitergegeben werden, ohne das Risiko einzugehen, noch mehr Kunden zu verlieren. Schätzungen der rumänischen Nationalbank zufolge wird die Inflation bis Ende 2026 voraussichtlich auf 6,1 % sinken und im nächsten Jahr weiter zurückgehen. Im Dienstleistungssektor könnte die Erholung jedoch langsamer verlaufen.