Brüssel: EU-Mitgliedstaaten sollen Erdgas- und Stromverbrauch drosseln
Die EU-Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, ihren Verbrauch von Erdgas und Strom weiter zu senken. Hintergrund ist die aktuelle Energiepreiskrise in Europa. Auslöser sind Störungen auf den Öl- und Gasmärkten infolge des Krieges im Persischen Golf.
Daniela Budu und Sorin Georgescu, 28.09.2026, 15:45
Der EU-Kommissar für Energie, Dan Jørgensen, hat die zuständigen Minister der Mitgliedstaaten in einem Schreiben zu entsprechenden Maßnahmen aufgerufen. „Wir stehen vor einer Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise verbunden ist“, schrieb Jørgensen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters.
Europa ist stark von Öl- und Gasimporten abhängig. Rund 80 Prozent des Gasbedarfs der EU werden von Lieferanten außerhalb der Union gedeckt. Dadurch ist die EU besonders anfällig für steigende Weltmarktpreise. Verschärft wird die Lage durch die Sperrung der Straße von Hormus. Durch diese wichtige Seeroute werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls und der weltweiten Flüssiggas-Lieferungen transportiert.
Eine akute Versorgungsknappheit gibt es in Europa nach Angaben des EU-Kommissars derzeit noch nicht. Die stark gestiegenen Preise setzen jedoch die Länder unter Druck, die ihre Gasspeicher vor dem Winter auffüllen wollen. Analysten warnen vor möglichen Preissprüngen auf mehr als 100 Euro pro Megawattstunde im Winter. Dazu könnte es kommen, wenn die Exporte von Flüssiggas aus der Golfregion nicht steigen. Auch länger andauernde Wartungsarbeiten in Norwegen könnten die Ausfuhren weiter einschränken.
Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe sind die Gasspeicher in der EU derzeit zu rund 70 Prozent gefüllt. Das sind um zwölf Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. EU-Energiekommissar Jørgensen fordert deshalb, Maßnahmen zur weiteren Befüllung der Speicher zu prüfen oder fortzuführen. Gleichzeitig könne der Verbrauch von Gas und Strom gesenkt werden, solange dies notwendig sei.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, Einschränkungen bei der Beheizung von Außenbereichen und das Abschalten nicht notwendiger öffentlicher Beleuchtung. Auch ein geringerer Stromverbrauch zu Spitzenzeiten könne helfen, so Jørgensen. Dadurch müsse in Gaskraftwerken weniger Gas zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Das würde sowohl die Gasversorgung als auch die Strompreise entlasten. Jørgensen regte außerdem an, für die europäischen Gasspeicher ein Füllziel von 80 Prozent in Betracht zu ziehen. Die Mitgliedstaaten müssten nicht unbedingt am bisherigen Ziel von 90 Prozent festhalten.
Für Rumänien hatte der Staatssekretär im Energieministerium, Cristian Bușoi, zuletzt angekündigt, dass die Gasspeicher bis Ende September zu 79 bis 80 Prozent gefüllt sein sollen. Bis zum Jahresende soll der Füllstand rund 90 Prozent erreichen. Damit läge Rumänien zwar über dem europäischen Durchschnitt. Die Reserven sind allerdings deutlich niedriger als im vergangenen Jahr. Damals waren die rumänischen Gasspeicher zum gleichen Zeitpunkt bereits zu mehr als 90 Prozent gefüllt.