Die Schlacht von Stalingrad: Erinnerungen eines rumänischen Zeitzeugen
In der Geschichte der großen militärischen Auseinandersetzungen gibt es Schlachten, die sich durch besonders viele Opfer, durch einen Wendepunkt im Kriegsgeschehen, die völlige Verwüstung eines Ortes oder durch den Tod bedeutender Persönlichkeiten ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Während im Ersten Weltkrieg die Schlacht von Verdun zur „Mutter aller Schlachten“ erklärt wurde – als Sinnbild für Blutvergießen und Zermürbung –, war es im Zweiten Weltkrieg die Schlacht um Stalingrad, die zwischen August 1942 und Februar 1943 zu einem der entscheidendsten und verlustreichsten Kapitel wurde.

Steliu Lambru und Sorin Georgescu, 23.06.2025, 22:00
Viel wurde geschrieben und dokumentiert über Stalingrad – Artefakte wurden ausgegraben, Filme gedreht, Berichte verfasst. Auch rumänische Soldaten kämpften dort – an der Seite der deutschen, italienischen, ungarischen und kroatischen Truppen. Etwa 110 000 bis 200 000 von ihnen kehrten nicht zurück – sie waren gefallen, verwundet oder in Gefangenschaft geraten. Doch manche ihrer Stimmen haben überlebt – bewahrt in der Tonarchivsammlung des Zentrums für mündlich überlieferte Geschichte des Rumänischen Rundfunks.
Eine dieser Stimmen gehört Vladimir Boantă, einem Anwalt, der 1995 von seinen Erlebnissen berichtete – er hatte Stalingrad genau einen Tag vor Beginn der sowjetischen Offensive verlassen.
„Die Front schien stabil. Aber ich muss Ihnen etwas sagen: Mit der Eröffnung der Westfront hatten die Deutschen viele Truppen abgezogen. Wir merkten das – es waren deutlich weniger deutsche Soldaten zu sehen. Auch die deutsche Luftwaffe war kaum noch aktiv. Dafür nahmen die Angriffe der sowjetischen Flieger stark zu. Da tauchten diese schnellen Flugzeuge auf – später erfuhr ich, dass sie »Jak« hießen, benannt nach dem Konstrukteur, dem sowjetischen Ingenieur Jakowlew. Eine unangenehme Überraschung für uns. Bis dahin sagten wir, wenn so ein Flugzeug vorbeiflog: »Da fährt wieder das Motorrad!« – weil sie so ratterten und langsam flogen. Doch die Jaks waren schnell. Sehr schnell.“
Der Krieg war erbarmungslos, für alle. Doch für die Soldaten der Achsenmächte war die Lage besonders hart – immer weniger Männer, immer weiter von zu Hause entfernt, immer schlechter versorgt, erinnerte sich weiter der Zeitzeuge Vladimir Boantă.
„Wir durchquerten endlose Weiten, verloren ständig Leute, ohne Verstärkung zu bekommen. Unsere Linie wurde hauchdünn. Außer einer einzigen Einheit in Stalingrad waren wir etwa 12 Kilometer südwestlich stationiert. Zwischen den einzelnen Soldaten lagen oft 15, manchmal 30 Meter Abstand – in kleinen Erdgruben, im sandigen, verfluchten Boden rund um Stalingrad. In der Hand ein Gewehr, das einfrieren konnte, weil selbst das Schmiermittel im Lauf fest wurde. Die Männer – geschwächt, miserabel ernährt, schlecht gekleidet.“
Doch das Leben ging weiter – sogar inmitten des Krieges. Kleine Anekdoten und menschliche Kuriositäten wurden Teil der Geschichte, nicht weniger bedeutend als die Heldentaten an der Front.
„Die Lage hatte sich so stabilisiert, dass wir eines Tages ein offizielles Schreiben von der Wehrmacht erhielten, das uns zum Lachen brachte. Darin hieß es: »Touristische Besuche in Stalingrad sind verboten!« In Wirklichkeit gab es dort ein paar Geschäfte oder Buchläden mit Büromaterial, die längst aufgegeben worden waren. Aber unsere Leute suchten nach brauchbaren Dingen, durchstöberten die verfallenen Läden. Das wurde wohl als »Besichtigung« gedeutet – was natürlich völliger Unsinn war.“
Dann kam der Tag, an dem alles zusammenbrach – der Beginn der sowjetischen Großoffensive.
„Die Schlacht begann an einem Morgen mit dichtem Nebel – laut Wettervorhersage, und so war es auch. Man sah keine drei Meter weit. Da kamen sie – sowjetische Panzer, gefolgt von warm gekleideten und entschlossenen Soldaten, bewaffnet mit Maschinenpistolen, je 72 Schuss im Magazin. Sie rückten vor, ohne gesehen zu werden. Man hörte sie, sah aber nichts. Die Panzer fuhren entweder über unsere Gräben oder zwischen uns hindurch. Was hätten wir ihnen mit unseren Karabinern entgegensetzen sollen? Keine Chance. Die erste Linie war durchbrochen. Dann erreichten sie unsere Artilleriestellung, zerstörten die Kanonen, drangen weiter bis zu den Kommandopositionen vor.“
Die Schlacht von Stalingrad – ein Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. Eine Auseinandersetzung nicht nur zwischen Armeen, sondern auch zwischen Ideologien, Systemen, Menschenschicksalen.