Kultureller Jahrerückblick 2025
Da wir uns im Laufe des gesamten Jahres viel mit Kino und bildender Kunst befasst haben – mit Vernissagen, Premieren, Festivals und Trends –, richten wir den Blick auf einen anderen Teil der Kulturszene Rumäniens, die dem Kulturleben des Jahres 2025 Substanz verliehen haben: Theater, Literatur, Musik sowie die großen Ereignisse, die das Publikum in Bewegung gesetzt haben.
Corina Sabău, 10.01.2026, 14:19
Das Theater blieb eines der lebendigsten Räume gesellschaftlicher Reflexion. 2025 waren die Bühnen von Produktionen geprägt, die sich aktuellen Themen widmeten: der Vulnerabilität der Demokratie, Fragen der Identität, kollektiver Angst sowie dem Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft. Auffällig war das wachsende Interesse an hybriden Formen – Dokumentartheater, Performance, Installation – ebenso wie an die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Theaterfestivals fungierten dabei als Diskussionsplattformen, mit Begegnungen, Gesprächen und Reflexionsräumen, die das Leben der Aufführungen über die Bühne hinaus verlängerten. Das Internationale Theaterfestival von Sibiu blieb eines der sichtbarsten Kulturereignisse Rumäniens. Die Auswahl des Jahres 2025 legte den Schwerpunkt auf Inszenierungen, die in einen direkten Dialog mit der sozialen und politischen Gegenwart traten, ebenso wie auf großformatige visuelle Produktionen im öffentlichen Raum. Erneut gelang es dem Festival, eine Gemeinschaft rund um das Theater zu schaffen, in der die Begegnung zwischen Künstlern und Publikum ebenso wichtig war wie die Aufführung selbst.
Für einige Tage wurde die Stadt im Herzen Siebenbürgens zur erweiterten Bühne – und das Theater zu einer gemeinsamen Sprache. In der Literatur war 2025 ein Jahr der Vielfalt. Die Prosa setzte ihre Erkundung biografischer Themen und der jüngeren Geschichte fort, während die Poesie zunehmend Raum im öffentlichen Raum gewann – durch performative Lesungen und spezielle Veranstaltungen. Buchmessen und Literaturfestivals brachten etablierte Autoren und neue Stimmen zusammen, und Übersetzungen spielten eine wichtige Rolle bei der Vernetzung der rumänischen Literatur mit dem internationalen Kontext. Auf der literarischen Bühne blieb das Internationale Literatur- und Übersetzungsfestival Iași – FILIT – ein zentraler Ort des kulturellen Dialogs. 2025 wurden die Begegnungen mit rumänischen Autorinnen und internationalen Gästen von Debatten über Übersetzung, den Austausch von Ideen und die Rolle der Literatur in einer zunehmend fragmentierten Welt begleitet. FILIT bestätigte die Literatur nicht nur als schöpferischen Akt, sondern auch als Form kollektiver Begegnung und Reflexion. Ihre öffentliche, offene Dimension stärkte die Beziehung zwischen Autoren und Lesern über formelle Lesungen oder Buchvorstellungen hinaus.
Die Musikszene war 2025 äußerst aktiv. Von klassischer Musik und Jazz über experimentelle Projekte bis hin zu groß angelegten Konzerten zeigte das Jahr eine zunehmende Offenheit für Vielfalt. Festivals blieben wichtige Bezugspunkte, doch ebenso relevant waren Saalkonzerte, kuratierte Projekte und internationale Kooperationen. Ein zentraler Aspekt war die Erfahrung selbst: also nicht nur das Konzert, sondern auch der Kontext, der Raum und die Begegnung zwischen Künstlern und Publikum. Einer der Höhepunkte des Jahres war das Internationale „George Enescu“-Festival, das den Status Bukarests als bedeutenden Treffpunkt europäischer Musik erneut bestätigte. Die Ausgabe 2025 bot ein umfangreiches Programm mit Spitzenorchestern und Dirigenten, legte jedoch zugleich besonderen Wert auf zeitgenössische Musik und Neuinterpretationen von Enescus Werk. Das Festival fungierte nicht nur als prestigeträchtiges Ereignis, sondern auch als Raum für Bildung und Zugänglichkeit, mit Konzerten und Begegnungen für ein breites Publikum. Seine internationale Dimension wurde durch die erhöhte Sichtbarkeit rumänischer Musikern ergänzt, die selbstverständlich in den europäischen Dialog integriert wurden. Ein weiterer Schwerpunkt des Jahres 2025 war das erneute Interesse am kulturellen Erbe und öffentlichen Raum. Open-Air-Ausstellungen und Gemeinschaftsprojekte brachten Kultur näher zu den Menschen, jenseits klassischer Institutionen. In diesem Jahr entstanden mehrere Initiativen, die historische Gebäude, Stadtviertel oder unkonventionelle Räume in den Vordergrund brachten.