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Entwicklungsberater Thorsten Kirschner: „Rumänien hat ein enormes, nicht ausgeschöpftes Touristikpotenzial“

Thorsten Kirschner ist deutscher Staatsbürger und verfügt über eine beeindruckende internationale Erfahrung. In Deutschland studierte er International Business (BWL mit internationalem Fokus) und Kulturwissenschaften an der Universität Passau. Im Laufe der Jahre erwarb er weitere Abschlüsse in verschiedenen Fachrichtungen – Lateinamerikastudien und Politikwissenschaft in Madrid, Spanien, ein Diplom als Export- und Handelsberater in Wien sowie ein Zertifikat als Tourismusmanager in Bukarest.

Thorsten Kirschner (Foto: persönliches Archiv des Managers)
Thorsten Kirschner (Foto: persönliches Archiv des Managers)

und , 05.03.2026, 17:30

 

RadioRomaniaInternational · Entwicklungsberater Thomas Kirschner: „Rumänien hat ein enormes, nicht ausgeschöpftes Touristikpotenzial“

 

Kirschner arbeitete als Berater in mehr als 50 Ländern Südosteuropas, des Nahen Ostens, Subsahara-Afrikas und Südostasiens. Kirschner verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der lokalen und internationalen Wirtschaftsentwicklung, mit Spezialisierung auf Tourismus und Regionalentwicklung durch die Förderung von Start-ups, Investitionen und Exporten.

Seit über 15 Jahren lebt er in Rumänien und ist Vizepräsident im wissenschaftlichen Beirat des Geoparks Buzău. Er lebt auch in der südostrumänischen Stadt Buzău, wo er gemeinsam mit seiner Frau ein altes Herrenhaus renoviert hat. Zusammen mit anderen Unternehmern aus der Region setzt er sich für das Konzept „Slow Food“ ein.

 

Als erstes wollten wir wissen, warum sich Thorsten Kirschner für Rumänien entschieden hat. Wie begann seine rumänische Geschichte, nachdem er nahezu die ganze Welt bereist hatte?

 

Das erste Mal kam ich 1990 nach Rumänien, kurz nach dem Tod Ceaușescus, im Rahmen eines Schüleraustauschs mit einem Gymnasium in Klausenburg. Ich glaube, es war im März 1990, und alles war sehr beeindruckend für mich. Ich bin mit dem Zug von Deutschland bis nach Klausenburg gefahren. Dieser Austausch ist mir in Erinnerung geblieben. Einige Jahre später arbeitete ich als Berater und kam für ein Projekt nach Rumänien. Ich erhielt einen Vertrag für eine deutsche Agentur, die in Bukarest tätig war.

Meine Frau ist übrigens Rumänin, doch wir haben uns in Paris kennengelernt und sind später zusammen nach Rumänien gezogen. Sie hatte zehn Jahre in Paris gelebt, dort studiert und gearbeitet. Nach drei Jahren in Bukarest sagten wir uns: ‚Lass uns nicht mehr in der Hauptstadt bleiben.‘ Die Familie meiner Frau stammt aus Buzău, und wir verbrachten jedes Wochenende in der Region und schauten uns dort um. So entdeckten wir ein verlassenes Herrenhaus und beschlossen: ‚Wir ziehen um.‘ So begann unsere Geschichte in Rumänien.“

 

Ein schönes Herrenhaus zu besitzen ist zwar nett, doch was bewog Thorsten Kirschner, in Rumänien zu bleiben?

 

Zunächst einmal gefällt mir das Land selbst sehr – die Natur, die natürlichen Produkte. Auch die Mentalität spricht mich an. Ich war viel in Spanien und Lateinamerika unterwegs, und auch hier spürt man eine gewisse lateinische Kultur. Die Menschen sind entspannter, es gibt mehr Improvisation.

In Deutschland ist alles sehr strikt. Wenn jemand sagt, etwas funktioniert nicht, dann funktioniert es eben nicht. In Rumänien hingegen findet sich immer jemand, der sagt: ‚Doch, SO funktioniert es.‘ Und das gefällt mir. In Deutschland muss man sich eine Woche vorher anmelden, wenn man jemanden besuchen möchte – hier stehen die Leute spontan vor der Tür, um gemeinsam ein Glas zu trinken. Das ist erfrischend anders. Diese Kombination aus Land, Kultur – und in Buzău sind wir im Süden, mit einem angenehmeren Klima – all das zusammen hat mir gefallen.

Als Entwicklungsberater habe ich außerdem immer eine besondere Perspektive: Ich sehe Potenzial. Als ich nach Buzău kam, erkannte ich ein enormes Potenzial. Es gibt sehr viele Attraktionen, die nicht ausreichend genutzt wurden. Und es ist einfacher, in Rumänien ein Unternehmen zu gründen. Deutschland ist sehr wettbewerbsintensiv. In Rumänien – besonders im Tourismus – gibt es noch viele unerschlossene Nischen, in denen man etwas aufbauen kann, was es bisher so noch nicht gab.

Viele haben mich gefragt: Die Rumänen ziehen nach Italien oder Deutschland – warum bist du hierhergekommen? Ich habe geantwortet: Für mich ist es umgekehrt. Ich sehe hier in Rumänien eine Chance.“

 

Statistiken mögen Thomas Kirschner zwar recht geben: Rumänien verfügt über ein enormes Potenzial. Doch im Tourismus bleibt die Entwicklung hinter diesen Möglichkeiten zurück. Was läuft aus seiner Sicht nicht optimal?

 

Es ist klar, dass es auch ein politisches Problem gibt. Es geht um Kapazitäten. Leider existiert in Rumänien gewissermaßen eine Parallelwelt. Es gibt Unternehmer, die hervorragende Arbeit leisten, und daneben eine politische Welt, die anders funktioniert.

Rumänien hat alle Ressourcen: Meer, Wasser, natürliche Reichtümer, Berge, touristisches Potenzial, kluge Menschen. Doch auf nationaler Ebene wurde kein Umfeld geschaffen und keine Politik betrieben, die eine nachhaltigere Entwicklung unterstützten. Es gibt Fortschritte, aber insbesondere im Bildungsbereich sehe ich große Probleme. Ohne ein funktionierendes Bildungssystem ist es schwer, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im Tourismus arbeiten wir deutlich unter dem Potenzial Rumäniens. Das Land hat alles, was es braucht, wird jedoch schlecht oder gar nicht beworben. Es gibt einzelne Initiativen, aber keine langfristige Strategie zur Präsentation Rumäniens. Jedes Jahr nimmt Rumänien an internationalen Messen teil – und blamiert sich teilweise, weil Stände nicht gut vorbereitet sind und keine ausreichende Präsentation vorhanden ist. Das ist schade angesichts des vorhandenen Potenzials. Es gibt viele fähige Unternehmer, aber es gelingt nicht, eine funktionierende öffentlich-private Partnerschaft zu schaffen, um das Land entsprechend zu promoten.“

 

Stichwort Promotion: Wie würde Thorsten Kirschner Rumänien am besten vermarkten?

 

Der größte Vorteil Rumäniens ist meiner Meinung nach der ländliche Tourismus – in Kombination mit Kulturtourismus. Es gibt bekannte Routen in Siebenbürgen oder in der Marmarosch. Seit der Pandemie haben sich viele Orte weiterentwickelt, auch im Bereich ‚Slow Food‘, das ein internationales Netzwerk ist. Wir haben alles, was wir brauchen. Wir müssen die Menschen zusammenbringen – von Landwirten über Handwerksproduzenten bis hin zu lokalen Gastronomie-Angeboten, Restaurants und Hotels – und regionale Produkte nutzen, um die Region zu fördern.

Hier sehe ich ein enormes Potenzial für Rumänien. Auf unternehmerischer Ebene geschieht bereits viel, aber diese Strategie ist noch nicht in Bukarest angekommen. Alles wird kurzfristig gedacht – für drei oder vier Jahre. Ein Minister kommt und geht, nach zwei Jahren kommt ein anderer, und dann wird alles wieder geändert, auch die Teams in den Ministerien. Es fehlt an Kontinuität. Das ist das größte Problem.“

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