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Kommunistische Propaganda-Marotten: „Der Kampf um den Frieden“

Der Frieden war ein Lieblingsthema der kommunistischen Propaganda. In Rumänien führte die sowjetische Besatzung im Jahr 1944 den Begriff Kampf um den Frieden“ ein und er verschwand aus dem den kollektiven Gedächtnis mit dem Sturz des Kommunismus 1989.

Kommunistische Propaganda-Marotten: „Der Kampf um den Frieden“
Kommunistische Propaganda-Marotten: „Der Kampf um den Frieden“

, 25.03.2019, 17:30

Im Gegensatz zum Kapitalismus, der, so die offizielle Ausführung, kriegstreiberisch agierte, setzte sich der Kommunismus für den weltweiten Frieden ein. Selbst in ihren Schriften behaupteten marxistisch-leninistische Theoretiker, dass das unterdrückte Proletariat pazifistisch gewesen wäre und die unterdrückenden Eigentümer den Konflikt in irgendeiner Form gefördert hätten. Das Schema der marxistischen Philosophie war simpel und dennoch verwirrend. Auch dann, wenn es zur proletarischen Weltrevolution aufrief, um die Welt zu verändern, griff das Proletariat auf Gewalt zurück, um das Bürgertum zu vernichten und nach der Machtergreifung den ewigen Frieden auszurufen.



Der Sieg des Bolschewismus von 1931 brachte bei weitem nicht den Frieden, sondern das Gegenteil. Die Sowjetunion hat mit allen Mitteln versucht, zu Unruhen und Chaos anzustiften, sowohl in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft als auch auf der ganzen Welt. In Wirklichkeit liebte das kommunistische Regime den Konflikt ebenso wie jedes andere Regime. Und Frieden ist zu einem sinnentleerten Wort geworden, durch das die Menschen leicht getäuscht werden konnten. So erfand die sowjetische Propaganda den Slogan Der Kampf um den Frieden“, der, abgesehen von einer widersinnigen Formulierung, auffallend realitätsfern war.



In Rumänien führte die sowjetische Besatzung im Jahr 1944 den Begriff Kampf um den Frieden“ ein und er verschwand mit dem Sturz des Kommunismus im Jahr 1989 ebenso schnell aus dem den kollektiven Geist. In den 1950er Jahren gab es einen Witz, der sagte, dass wir für den Frieden kämpfen, bis kein Stein mehr auf dem anderen liegt“. Der Witz verdeutlichte die Inhaltslosigkeit des Slogans. Alle, die den Slogan verwendeten, taten es nur, um persönliche Vorteile zu erlangen und in den Parteiapparat aufzusteigen. Der Frieden war ein Grundpfeiler der kommunistischen Propaganda. Während des Ceauşescu-Regimes nahm er sogar groteske Formen, indem er den kommunistischen Diktator zum Friedenshelden“ proklamierte.



Der Ingenieur Ştefan Bârlea war in den 1950er und 1960er Jahren ein wichtiger kommunistischer Aktivist, verantwortlich für Jugendfragen. Er wurde im Jahr 2002 vom Zentrum für mündlich überlieferte Geschichte des Rumänischen Hörfunks interviewt und erinnerte sich an das Jahr 1955.



Das Jahr 1955 hatte eine besondere Bedeutung. Zuerst hat der orthodoxe Patriarch Justinian einen Pastoralbrief geschrieben, dessen Inhalt uns bekannt war und den wir als positiv wahrgenommen haben. Diese Pastoralbrief war der erste, denn mir ist nur das bekannt, was in der orthodoxen Kirche passierte, in dem zur Atomabrüstung aufgerufen wurde. Es war bereits ein Akt politischer Beteiligung der orthodoxen Kirche, der wahrscheinlich vom Regime gefordert wurde — ich wei‎ß es nicht genau. Es ist schwer, die Wege des Herrn zu ergründen, denn sie sind verschlungen. Das alles fiel mit einer starken, pazifistischen Bewegung zusammen, die von der Sowjetunion ermutigt und angeführt wurde. Diese pazifistische Bewegung begann um 1949 und erreichte mit der Weltfriedensversammlung 1955 ihren Höhepunkt.“




Selbstverständlich wollten die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg Frieden. Die Sowjetunion hatte aber andere Interessen und setzte sich für den ideologischen Frieden ein. Stefan Bârlea sagte, seine Aufgabe sei es gewesen, öffentliche Veranstaltungen diesbezüglich zu organisieren.



Ich habe Jugendkundgebungen organisiert, fast jedes Jahr hatten wir zwei oder drei Kundgebungen. 1950 wurde in Warschau ein zweiter Friedenskongress abgehalten, dabei wurde ein Weltrat gewählt und zusätzlich zu den offiziell angekündigten Teilnehmern, zusätzlich zu den Länderorganisationen wurden zwei Jugendorganisationen, der Weltverband der Demokratischen Jugend und der Internationale Studentenverband aufgenommen. Und diese Organisationen, die die Friedensbewegung als Mitglieder des Weltfriedensrates vertraten, forderten, dass die nationalen Jugendorganisationen der Studenten und Jugendlichen, Jugendveranstaltungen für den Frieden organisieren sollten. Und so haben wir hier im Herăstrău-Park, auf dem Ausstellungsgelände im Pavillon H und in der Floreasca-Halle eine Reihe von Gro‎ßkundgebungen organisiert. Einige sogar im Freien.“




Auf den Kundgebungen wurden die üblichen flammenden Reden gehalten. Ştefan Bârlea erinnerte sich, wie solche öffentliche Versammlungen organisiert wurden.



Die Tagesordnung bekamen wir vom Zentralkomitee des Verbandes der Arbeitenden Jugendlichen (UTM) bzw. durch die Räte der Studentenverbände, als Empfehlung der Internationalen Räte an diese Organisationen. Die Rede wurde entweder von einem Vertreter der internationalen Jugendorganisationen gehalten, und dann war es etwas Gro‎ßes, unsere gesamte Führung nahm daran teil, oder von jemandem vor Ort. Wenn wir solche Veranstaltungen in allen Universitätszentren und in allen Städten organisierten, durften nur die Aktivisten unserer Organisation als Redner auftreten. Der ehemalige Ministerpräsident Ioan Gheorghe Maurer hat zum Beispiel eine Friedensrede gehalten, als er noch Leiter der Rechtsabteilung der Akademie war. Die Propaganda war das wichtigste Instrument, um die neue Ideologie im Land zu verbreiten. Es wurden Broschüren gedruckt, von denen ausgehend man seine Rede aufbauen konnte. Und die Leute fragten danach. Wie bei jeder Show, denn es war letztendlich eine politische Show, gab es eine Regie, die einigen Punkten Rechnung tragen musste. Wenn es zum Beispiel eine Kundgebung war, an der die Parteiführung teilnahm, dann war auch ein Regisseur dabei. Es gab einige bekannte Regisseure darunter, etwa Hero Lupescu, der auch in der Oper Regie führte.“




Der Kampf um den Frieden löste sich in Luft auf, als das kommunistische Regime in Rumänien gestürzt wurde. Ein Ideal wie der Frieden kann nicht nur durch öffentliche Aufrufe erreicht werden.

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