Cluj/Klausenburg – das Herz Siebenbürgens
Heute nehmen wir Sie mit nach Cluj (auf deutsch: Klausenburg, ungarisch: Kolozsvár), eine Universitätsstadt im Herzen Siebenbürgens. International bekannt ist Klausenburg vor allem durch das Filmfestival Transilvania – TIFF – sowie durch große Musikfestivals wie Electric Castle und Untold. Doch auch abseits der Festivals ist die Stadt ein stets lohnendes Reiseziel: lebendig, vielseitig und voller Möglichkeiten für Besucher jeden Alters.
Ana-Maria Cononovici und Sorin Georgescu, 11.08.2026, 17:45
Klausenburg wird oft als „Herz Siebenbürgens“ bezeichnet. Die Stadt liegt im Zentrum des gleichnamigen Kreises Cluj im Nordwesten Rumäniens und wird vom Fluss Kleine Samosch (rum. Someșul Mic) durchquert. Entwickelt hat sie sich die heutige Metropole auf sieben sogenannten Terrassen – und so ergeben sich an vielen Stellen schöne Ausblicke auf die Stadt und ihre Umgebung.
Wer Klausenburg kennenlernen möchte, beginnt am besten in der Altstadt. Ihr Mittelpunkt ist der mittelalterliche Stadtkern mit seinen prächtigen Adelspalästen rund um die katholische Michaelskirche. Der gotische Bau steht mitten auf dem zentralen Platz. Das heutige Erscheinungsbild des Platzes entstand Ende des 19. Jahrhunderts und hat sich seitdem kaum verändert. Im Mittelpunkt steht das Reiterstandbild des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts trug der Platz deshalb auch den Namen König-Matthias-Platz. Von hier aus lohnt sich ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren engen Gassen und zahlreichen Cafés, Bars und Restaurants. Sie verleihen Klausenburg eine ausgesprochen lebendige und junge Atmosphäre. Auf dem Avram-Iancu-Platz steht die orthodoxe Kathedrale der Stadt. Sie wurde in den 1920er- und 1930er-Jahren errichtet, kurz nach der Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien, und ist der Entschlafung der Gottesmutter geweiht.
Wer sich für die Geschichte der Stadt interessiert, kann anschließend zwei Überreste der mittelalterlichen Befestigungsanlagen entdecken: den Schneiderturm am Fuß des Feleac-Hügels und den ehemaligen Wasserturm der Weber, den heutigen Feuerwehrturm. Der Schneiderturm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Feuerwehrturm wurde bereits 1574 als Teil der Stadtbefestigung errichtet. Beide Türme können bestiegen werden. Vom Feuerwehrturm geht es sogar bequem mit dem Aufzug nach oben – auf eine offene Terrasse mit weitem Blick über die Stadt. Auch Kunst- und Geschichtsfreunde kommen auf ihre Kosten: Im Nationalmuseum für die Geschichte Siebenbürgens und im Kunstmuseum lässt sich die kulturelle Vergangenheit der Region erkunden.
Und wer zwischendurch etwas Ruhe sucht, findet sie in den Parks der Stadt. Zum Beispiel im Cetățuia-Park oder im Zentralpark „Simion Bărnuțiu“ am Ufer der Kleinen Samosch. Der heute mehr als 180 Jahre alte Park wurde bereits 1830 für die Öffentlichkeit geöffnet und gehört zu den beliebtesten Erholungsorten der Stadt. Sehenswert ist hier auch das Casino – ein prachtvoller Bau im österreichischen Stil. Obwohl das Gebäude ursprünglich tatsächlich als Casino diente, beherbergte es in der Zwischenkriegszeit die Kunsthochschule. Heute ist dort das Zentrum für urbane Kultur untergebracht. Zum Park gehört außerdem der künstlich angelegte Chios-See. Er entstand 1865 und lädt heute zu einer kleinen Auszeit ein – zum Beispiel bei einer Fahrt mit dem Tretboot. Eine weitere grüne Oase liegt nur etwa 15 Gehminuten vom Vereinigungsplatz entfernt: der Botanische Garten „Alexandru Borza“. Auf einer Fläche von 14 Hektar wachsen mehr als 10 000 Pflanzenarten. Dazu kommen sechs Gewächshäuser mit exotischen Pflanzen, ein japanischer Garten und Bereiche, in denen archäologische Funde aus römischer und mittelalterlicher Zeit zu sehen sind.
Und dann gibt es in Klausenburg noch eine ganz andere Art, die Wirklichkeit hinter sich zu lassen: das Transylvania Steampunk-Museum. Hier geht es in eine Welt zwischen Technik, Vergangenheit und Fantasie. Zu sehen sind historische Exponate, aber auch Objekte, die von Künstlern verändert und zu ungewöhnlichen Erfindungen umgebaut wurden. Dazu kommen Filmprojektoren, ein Bereich über Alchemie und eine ganze Etage, die den Besucher in eine Fantasiewelt entführt. Die Inspiration dafür kommt unter anderem von Jules Verne und seinen Zukunftsvisionen. Das Museum greift die Ästhetik des sogenannten Steampunk auf – einer Science-Fiction-Spielart, die sich eine Zukunft vorstellt, wie man sie sich im 19. Jahrhundert hätte ausmalen können: mit Dampfmaschinen, mechanischen Apparaten und einer gehörigen Portion Fantasie.
Was Besucher dort erwartet, erklärt Museumsführer Asio:
„Es geht um Jules Verne. Steampunk, übersetzt ‚Rebellion mit Dampf‘, ist ein Subgenre der Science-Fiction – eine Vorstellung davon, wie Jules Verne sich die Zukunft ausgemalt hat. Und in unserem Museum zeigen wir zahlreiche Exponate. Einige sind alt und unverändert, andere wurden stark verändert – es sind Erfindungen von Künstlern. Das ist eine Art Auszeit von der Realität. Wir aktivieren unsere Fantasie: Es gibt Filmprojektoren, einen Bereich über Alchemie und oben eine Etage, die in die Welt der Fantasie führt. Das ganze Museum ist eine Zeitreise! Ich würde jeden einladen – von null bis zu einer Million Jahren Fantasie. Ich bin sicher, dass jeder bei uns etwas findet.“
Und wenn man schon einmal in diesem Reich der Fantasie angekommen ist, darf natürlich auch eine ganz besondere Installation nicht fehlen: eine Anlage, die nach Angaben des Museums die Ausschüttung von Serotonin anregen soll. Ob sie tatsächlich glücklicher macht? Das können Sie zum Schluss selbst über den aufgezeichneten O-Ton beurteilen.