Frauenbewegung im kommunistischen Rumänien: zwischen realen Fortschritten und ideologischer Vereinnahmung
Nach 1945 wurde die Frauenbewegung in Rumänien der Politik des kommunistischen Regimes untergeordnet, und es war die Ideologie, die vorgab, was zu tun sei. Während die Maßnahmen des Regimes zur Unterstützung von Frauen in Not und Leid propagandistisch dargestellt wurden und in der Realität nur begrenzte Wirkung hatten, erlitten andere Frauen die schlimmsten Verfolgungen: Sie saßen in Gefängnissen als politische Häftlinge ein, und ihre Familien wurden verfolgt und marginalisiert.
Steliu Lambru und Sorin Georgescu, 20.04.2026, 17:30
Im kommunistischen Rumänien gab es eine Institution, die sich mit den Problemen der Frauen befasste. Tania Lovinescu arbeitete dort und erinnerte sich in einem Interview von 2003 mit dem Zentrum für mündlich überlieferte Geschichte des Rumänischen Rundfunks an die Aktivitäten dieser Frauenorganisation.
„Diese Institution, die sich UFDR (Union der Demokratischen Frauen Rumäniens) nannte, hatte vielleicht auch ihre Schattenseiten und Fehlschläge, aber sie hat Alphabetisierung betrieben, sie hat Entlausungsaktionen durchgeführt – entschuldigen Sie das Wort, aber ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll –, sie hat gegen die Krätze gekämpft, sie hat Seife aufs Land gebracht. Das heißt, es war eine Gruppe von Menschen, die ich nicht kannte, sie waren schon vor mir da gewesen, in den Jahren ’44, ’45. Sie haben z.B. auch die Adoption von Kindern in der Zeit der Hungersnot von 1946–47 für Leute aus der Partei- und Staatsführung möglich gemacht. Anstatt auf den Feldern in der Moldau vor Hunger zu sterben, wurden diese Kinder zu Töchtern und Söhnen von Parteibonzen.“
Die Menschen, die sich der Lösung der Frauenprobleme in Rumänien verschrieben hatten, taten dies aus Überzeugung, erinnert sich Tania Lovinescu weiter:
„Der Nationale Frauenrat entstand etwas später; zuvor hatte die Organisation etwa Demokratisches Frauenkomitee geheißen. Wir waren insgesamt vielleicht 10 bis 12 Personen. Aber weil es überall auf der Welt – sowohl in sozialistischen als auch in kapitalistischen Ländern – Frauenräte und Frauenorganisationen gab, in Amerika und überall, musste es auch in Rumänien ein entsprechendes Pendant geben. Menschen, die Sorgen und Ängste hatten oder Tragödien durchmachten, schickten zum Beispiel Briefe an den Parteigeneralsekretär Gheorghiu-Dej. Alles, was mit Frauen zu tun hatte, gelangte zum Frauenrat. Und jede von uns machte sich in bestimmten Zeiträumen auf den Weg, um herauszufinden, warum zum Beispiel eine alte Frau aus irgendeinem Dorf sich beklagte, ihr Sohn sei im Gefängnis, aber unschuldig. Also hielten wir uns gewissermaßen für Apostel der Gerechtigkeit.“
Doch die Realitäten auf dem Lande erwiesen sich meist als komplizierter als das, was in den Büros des Frauenrats ankam.
„Die Chance meines Lebens war, dass ich in meiner Arbeit immer nach einer sehr hohen emotionalen Motivation gesucht und sie auch gefunden habe. So kam es mir zumindest vor – vielleicht war es nicht so, aber mir schien es, als ginge ich los, um etwas zu tun, um irgendwie zu helfen. Ich versuchte z.B. herauszufinden: Warum wurde jene Frau als Bürgermeisterin abgesetzt? Was war geschehen? Und dann erfahre ich vor Ort, dass sie sich in Wirklichkeit mit der Frau des Wachtmeisters gestritten hatte und ein Komitee einberufen worden war, um sie zu maßregeln. Ich sage nicht, dass ich immer Erfolg mit meinen Nachforschungen hatte, aber ich habe es zumindest versucht. Aber wenn es heute in den Dörfern Rumäniens Frauen in Leitungspositionen gibt und früher gegeben hat – etwa Vorsitzende von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, Brigadeleiterinnen, Führungskräfte des zootechnischen Sektors –, dann ist das auch unserer Arbeit zu verdanken.“
1977 löste der Staatschef Nicolae Ceaușescu alle Organisationen auf, an deren Spitze Personen aus dem Umfeld seines Vorgängers Gheorghe Gheorghiu-Dej standen. Das betraf auch den Frauenrat, wie sich Tania Lovinescu erinnert:
„Er hat nicht nur ARLUS (den Verein für die Stärkung der Beziehungen zur Sowjetunion) und den Verein ‚Kampf für den Frieden‘ aufgelöst, sondern auch den Nationalen Frauenrat, der eine ziemlich ernsthafte und aufreibende Arbeit leistete. Wir alle waren Mütter. Wir fuhren im Januar ins Feld und kamen im März zurück. Wir hatten keine Wechselkleidung, wir hatten kleine Kinder zu Hause. Wir waren alle um die dreißig, vierzig Jahre alt. Wir hatten verärgerte Ehemänner, viele von uns waren geschieden, weil die Männer es leid waren, dass wir nie zu Hause waren. Wir waren insgesamt 32 Frauen im aktiven Dienst und einige wenige in der Leitung, es war keine Belastung für den Staat. Die Auflösung war völlig unerklärlich.“
Doch Frauen aus dem Staats- und Parteiapparat hatten es leichter und wollten oder konnten dem Feminismus auch nicht unbedingt etwas abgewinnen. Mia Groza war die Tochter von Petru Groza, dem Ministerpräsidenten, unter dem ab 1945 die kommunistische Diktatur in Rumäniens errichtet wurde. Als Diplomatin bei den Vereinten Nationen musste sie sich – widerwillig – auch mit den Fragen befassen, die die Frauenbewegung aufwarf.
„Ich habe mich im Rahmen des Nationalen Frauenrates auch mit den internationalen Beziehungen beschäftigt, die auf Ebene der internationalen Frauenbewegung wahrgenommen werden mussten. Mir hat die feministische Tätigkeit nie gefallen. Als man mich dazu drängte, diese Arbeit zu übernehmen, habe ich Bedingungen gestellt. Ich habe nur unter der Bedingung zugestimmt, dass ich mich um die internationalen Beziehungen kümmere. Andernfalls hätte ich nicht zugestimmt. Man hat meinen Wunsch respektiert, und ich glaube, es war auch eine richtige Entscheidung, denn ich kannte mich mit diesen Fragen ohnehin besser aus als andere aus der Leitung des Nationalen Frauenrates. Ich hatte schwierige, manchmal peinliche Momente, weil ich Personen unterstützen musste, die mit internationalen Beziehungen nicht viel am Hut hatten. Später wurde ich Vorsitzende der Dritten Kommission bei den Vereinten Nationen und hatte sehr gute Beziehungen zum damaligen Generalsekretär U Thant. Er war eine interessante Persönlichkeit. Er hat mich immer mit den Worten ‚my favourite president‘ angesprochen. Wir hatten wöchentliche Sitzungen und Arbeitsessen, und er sagte immer: ‚Und jetzt erteile ich meiner Lieblingspräsidentin das Wort.‘ Das war ich. Er war ein recht freundlicher, netter Mensch.“
Von 1945 bis 1989 hatte die Frauenbewegung in Rumänien nur begrenzte Möglichkeiten, um auf die Lösung der realen Probleme der Frauen hinzuwirken. Sie war eher ein Instrument der Machtausübung als eine Trägerin der Unzufriedenheit und der Forderungen.