Zwischen Volkskunst und Moderne: Rumänische Keramik im Suțu-Palast
Im Suțu-Palast in Bukarest, dem Hauptsitz des Museums der Stadt Bukarest, ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die einen besonderen Blick auf die Anfänge der modernen rumänischen Keramik wirft. Unter dem Titel „Moderne rumänische Keramik aus der Sammlung des Museums Dr. Nicolae Minovici“ werden Objekte gezeigt, die Tradition und künstlerische Erneuerung miteinander verbinden.
Ion Puican und Alex Sterescu, 25.04.2026, 13:12
Rund 150 keramische Objekte – Schalen, Krüge, Vasen und dekorative Gefäße – geben im Palatul Suțu (Suțu-Palast) einen Einblick in die Entwicklung der rumänischen Keramikkunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Stücke stammen aus der Sammlung des Arztes Nicolae Minovici, einer prägenden Persönlichkeit der rumänischen Medizingeschichte und zugleich leidenschaftlicher Sammler.
Seine Kollektion umfasst etwa 1.800 Keramikobjekte aus verschiedenen Regionen des Landes. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl davon und macht deutlich, wie stark sich traditionelle Formen mit neuen, urbanen Einflüssen verbanden – und so ein moderner nationaler Stil entstand.
Die Kuratorin der Ausstellung, Mădălina Manolache, erläutert das Konzept:
„In der Ausstellung ‚Moderne Keramik aus der Sammlung des Museums Dr. Nicolae Minovici‘, die bis zum 7. Juni im Suțu-Palast zu sehen ist, präsentieren wir rund 150 kunsthandwerkliche Keramikstücke. Sie stammen aus vier Werkstätten und Fabriken, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet Rumäniens tätig waren. Besucherinnen und Besucher können eine große Vielfalt dekorativer Keramik bewundern – von Tellern und Schalen bis hin zu Krügen, Vasen und Blumentöpfen.“
Die gezeigten Arbeiten stammen unter anderem aus den Werkstätten der königlichen Domänen in Periș (Kronländereien Periș), aus der Bukarester Werkstatt „Troița“, aus dem Atelier des Keramikers Gheorghe Niculescu Mogoș aus Băneasa (heute Teil von Bukarest) sowie aus der Fabrik der Brüder Tompa in Turda (Thorenburg).
Was diese Objekte besonders macht, ist das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation.
„Die moderne Keramik ist direkt von der traditionellen inspiriert – sowohl in den Formen als auch im Dekor. Gleichzeitig ist gerade die Ornamentik das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Jede Werkstatt entwickelte ein eigenes ästhetisches Programm. Häufig sehen wir geometrische, florale oder auch Tiermotive, die teilweise direkt aus der Volkskeramik übernommen wurden.“
Dabei lassen sich unterschiedliche künstlerische Wege erkennen: Während einige Werkstätten traditionelle Muster weiterentwickelten, entfernten sich andere zunehmend davon und experimentierten mit geometrischen Strukturen, die teils fast an optische Kunst erinnern.
Ein besonders interessantes Motiv ist die sogenannte „Hora“, ein Reigentanz, der in der Keramik symbolisch verarbeitet wurde – nicht nur als folkloristisches Element, sondern auch als Hinweis auf gesellschaftliche und nationale Einheit.
Neben volkstümlich inspirierten Stücken sind auch anspruchsvoll gestaltete Einzelwerke zu sehen, darunter Objekte mit religiösen Darstellungen. Sie zeigen, wie breit das stilistische Spektrum der damaligen Keramikproduktion war.
Bemerkenswert ist außerdem die Beteiligung bildender Künstler an der Gestaltung keramischer Objekte – ein Aspekt, der bislang wenig bekannt ist.
„In der Werkstatt Troița arbeiteten auch bildende Künstler, die versuchten, das zu schaffen, was wir heute Produktdesign nennen würden. Besonders hervorzuheben sind Stücke von Camil Ressu und Nora Steriadi. In der Ausstellung zeigen wir unter anderem Gefäße von Nora Steriadi sowie Teller mit Vogelmotiven von Camil Ressu. Die Beiträge bildender Künstler im Bereich der dekorativen Künste sind bislang nur wenig erforscht.“
Gerade diese Verbindung von freier Kunst und angewandtem Design macht die Ausstellung auch aus heutiger Perspektive spannend.
Am Ende aber ist es vor allem die sinnliche Wirkung der Objekte, die im Gedächtnis bleibt: ihre Formen, Farben und Oberflächen.
„Wir glauben, dass unsere Ausstellung vor allem durch ihre visuelle Kraft überzeugt – durch die harmonischen Formen der Gefäße, die sorgfältig gewählten Farben und die faszinierende Glasur. Jede Werkstatt hat ihren eigenen Stil, der sich nach und nach erschließt.“
Die Ausstellung im Suțu-Palast zeigt damit nicht nur schöne Objekte, sondern erzählt auch die Geschichte eines kulturellen Wandels – vom traditionellen Handwerk hin zu einer modernen, eigenständigen Formensprache.
Die Ausstellung „Moderne rumänische Keramik aus der Sammlung des Museums Dr. Nicolae Minovici“ ist noch bis zum 7. Juni im Suțu-Palast in Bukarest zu sehen.