Nach Drohnenexplosion in Constanța: neue Abwehrsysteme gegen Seedrohnen notwendig
Die Explosion einer Seedrohne im Hafen von Constanța hat eine Debatte über die Abwehr neuer Bedrohungen ausgelöst. Rumäniens Präsident Nicușor Dan erklärte, die vorhandene Ausrüstung sei für solche Technologien nur begrenzt geeignet. Diese seien erst mit dem Krieg in der Ukraine entstanden.
Mihai Pelin und Sorin Georgescu, 08.06.2026, 15:31
Eine Seedrohne ist am vergangenen Freitag im Hafen von Constanța im Südosten Rumäniens explodiert. Die Drohne detonierte von selbst, Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Die rumänische Katastrophenschutzbehörde aktivierte den Roten Einsatzplan, um die Lage wirksam zu bewältigen. Mehrere tausend Menschen wurden vorsorglich aus dem betroffenen Gebiet evakuiert.
Kiew bestätigte, dass es sich um eine ukrainische Drohne handelte, die während eines Einsatzes infolge von Störmaßnahmen russischer Systeme zur elektronischen Kriegsführung außer Kontrolle geraten war. Die Drohne wich von ihrer vorgesehenen Route ab und trieb anschließend in Richtung der rumänischen Küste.
Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund fehlender militärischer Ausrüstung für den Umgang mit dieser Art von Bedrohung, erklärte Rumäniens Präsident Nicușor Dan nach einer Sitzung in Constanța. Dort analysierte er gemeinsam mit Vertretern der Streitkräfte und der Einsatzbehörden die Ursachen des Vorfalls. Der Präsident bestätigte, dass es sich um eine ukrainische Seedrohne handelte, betonte jedoch, die Verantwortung für die Situation liege bei Russland.
Nach Einschätzung des Staatsoberhauptes handelten die rumänischen Behörden rechtzeitig und angemessen und befolgten die in solchen Fällen vorgesehenen Verfahren. Es habe keine Verletzten gegeben. Dan kündigte an, dass das Verteidigungs- und das Innenministerium während der Sommermonate ihre Aufklärungs- und Überwachungsmaßnahmen verstärken würden, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit der rumänischen Schwarzmeerküste zu gewährleisten.
Der Präsident erklärte außerdem, er werde den Vorfall direkt mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj erörtern. Zudem sei ein bilaterales Protokoll notwendig, das den Umgang mit vergleichbaren Situationen regelt. Die Bilanz des Vorfalls zeige, dass die staatlichen Institutionen mit den derzeit verfügbaren Mitteln angemessen gehandelt hätten. Dan wies darauf hin, dass herkömmliche Radarsysteme, die zur Erkennung von Luftdrohnen wirksam seien, eine Seedrohne dieser Art nicht erfassen könnten. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, Rumäniens Fähigkeiten an neue Technologien anzupassen, die durch den Krieg in der Ukraine hervorgebracht worden seien.
„Es handelt sich um eine neue Technologie, die im Zusammenhang mit diesem Krieg entwickelt wurde. Ähnlich wie bei Luftdrohnen befinden wir uns alle in einem Anpassungsprozess an die Technologien, die dieser Krieg hervorgebracht hat. Wir setzen derzeit den vorgesehenen Modernisierungsplan für den maritimen Bereich um. Bereits im kommenden Monat werden neue Ausrüstungssysteme nach Rumänien geliefert. Vor wenigen Wochen nahmen die rumänischen Seestreitkräfte an einer NATO-Übung teil, die sich genau mit dieser Art von Bedrohung befasste. Wir befinden uns also in einem Anpassungsprozess an eine neue Technologie.“
Der Präsident bekräftigte erneut, dass das Verteidigungs- und das Innenministerium ihre Aufklärungs- und Überwachungsmissionen im Sommer verstärken werden, um die Sicherheit der rumänischen Küste zu gewährleisten. Der rumänische Verteidigungsminister Radu Miruță erklärte seinerseits, die ukrainischen Streitkräfte hätten den Kurs der Seedrohne nicht mitgeteilt. Er habe mit seinem ukrainischen Amtskollegen gesprochen und die klare Erwartung Rumäniens übermittelt, künftig unverzüglich informiert zu werden, sobald die Kontrolle über eine Drohne verloren gehe oder ein vergleichbarer Sicherheitsvorfall eintrete.