Saschiz/Keisd – siebenbürgische Geschichte zum Anfassen
Heute nehmen wir Sie mit nach Saschiz, einem historischen siebenbürgisch-sächsischen Dorf im Kreis Mureș (dt. Mieresch). Auf deutsch heißt der Ort Keisd (alternativ Hünenburg), auf ungarisch Sászkézd (was soviel wie Sächschisch-Keisd bedeutet), und die Gemeinde liegt rund 20 Kilometer von Schäßburg und etwa 100 Kilometer von Kronstadt entfernt. Mit seinem UNESCO-Welterbe, seiner gut erhaltenen Architektur und der reizvollen Landschaft zählt Saschiz zu den schönsten Ausflugszielen in Siebenbürgen.
Ana-Maria Cononovici und Sorin Georgescu, 28.07.2026, 18:49
Saschiz gehört zur Tourismusregion „Colinele Transilvaniei“ – den Hügeln Siebenbürgens. Sie umfasst insgesamt 136 Dörfer. Was Besucher hier erwartet, erklärt Cristina Iliescu, Destinationsmanagerin der Region:
„Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehört natürlich die befestigte Kirche, die zum UNESCO-Welterbe zählt. Dann die Bauernburg auf dem Hügel, die erst vor Kurzem restauriert wurde. Außerdem gibt es kleine gastronomische Betriebe, das Keramikzentrum von Saschiz und eine besondere Töpfertradition. Berühmt ist das intensive Blau der handgefertigten Keramik. Unser Töpfer Marinel zeigt Besuchern den gesamten Herstellungsprozess. Rund um Keisd gibt es zahlreiche Rad- und Wanderwege. Im August findet hier das Transylvania Bike Trails Race statt – ein Rennen, das zugleich ein großes Festival ist. Anfang Mai wird das Rhabarberfest gefeiert, und im August macht auch das Haferland-Festival Station im Dorf. Aber eigentlich lohnt sich ein Besuch jederzeit – allein schon wegen der besonderen Atmosphäre.“
Wir wollten von Cristina Iliescu außerdem wissen, was ihr persönlich an Saschiz besonders gefällt.
„Mich beeindrucken vor allem die Frauen aus der Dorfgemeinschaft. Sie haben im Rahmen der sogenannten Frauennachbarschaft beschlossen, sich stärker für das Gemeindeleben einzusetzen, und organisieren viele schöne Projekte – vom Rhabarberfest bis zu zahlreichen Veranstaltungen im Dorf. Keisd gehört zu einer Ökotourismus-Destination, die 2022 vom Tourismusministerium zertifiziert wurde und derzeit erneut geprüft wird. Was ich hier besonders schätze, ist die Atmosphäre und der Zusammenhalt. Es gibt einen festen Kern von Menschen, die gemeinsam nach Lösungen suchen und ihre Heimat aktiv gestalten.“
Das Wahrzeichen des Ortes ist die evangelische Kirchenburg. Sie entstand zwischen 1493 und 1525 im Stil der Spätgotik. Besonders auffällig sind der mächtige Turm und die historische Uhr.
„Die Kirchenburg von Keisd gehört zum UNESCO-Welterbe. Ihr Turm erinnert stark an den Stundturm von Schäßburg – kein Zufall, denn er wurde von denselben Handwerkern errichtet. Stolz ist man hier auf die Figur, die oben im Turm die Glocke schlägt, und auf das Glockenteam des Dorfes: Ein Siebenbürger Sachse, ein halb rumänischer, halb sächsischer Einwohner und ein Franzose wechseln sich beim Läuten der Glocken ab und kümmern sich um die Kirche. Im Mittelalter stand Keisd in Konkurrenz zu Schäßburg. Deshalb gibt es bis heute viele Geschichten – etwa über einen geheimen Tunnel und einen Brunnen, die die befestigte Kirche mit der Fluchtburg auf dem Hügel verbunden haben sollen. Und im Sommer kann es passieren, dass man die Kirche betritt und plötzlich ein Orgelkonzert erlebt – ein ganz besonderes Erlebnis.“
Oberhalb des Dorfes liegt die mittelalterliche Fluchtburg aus dem 14. Jahrhundert. Nach ihrer Restaurierung bietet sie wieder einen eindrucksvollen Ausblick über das Tal. Bekannt ist Saschiz außerdem für seine handwerklich hergestellten Marmeladen und Fruchtaufstriche. Inzwischen entstehen hier auch Chutneys und Gin – unter anderem in einem Betrieb, den ein Brite übernommen hat. Wer länger bleiben möchte, findet gemütliche Pensionen, in denen regionale Spezialitäten nach traditionellen Rezepten und mit Zutaten aus der Umgebung auf den Tisch kommen.