Olivia Niță in „The Gray House“: Von der Bühne des Nationaltheaters nach Hollywood
Eine internationale Filmproduktion bringt Hollywoodstars wie Kevin Costner und Morgan Freeman nach Rumänien. Die Miniserie „The Gray House“ wurde vollständig in Rumänien gedreht und erzählt von einem geheimen Netzwerk von Frauen, die während des amerikanischen Bürgerkriegs als Spioninnen tätig waren. Mit dabei ist auch die rumänische Schauspielerin Olivia Niță. Sie spricht im Beitrag von Corina Sabau über die Arbeit an der internationalen Produktion – und über ihren ungewöhnlichen Weg auf die Bühne.
Corina Sabău und Alex Sterescu, 26.09.2026, 20:20
Kevin Costner, Morgan Freeman und Regisseur Roland Joffé gemeinsam in einer Produktion – „The Gray House“ erzählt die Geschichte eines geheimen Netzwerks von Frauen, die während des amerikanischen Bürgerkriegs spionierten. Gedreht wurde die internationale Produktion vollständig in Rumänien. Zum Ensemble der Amazon-Prime-Miniserie gehört auch die rumänische Schauspielerin Olivia Niță. Sie spielt Amanda Suggs, eine Witwe aus der Oberschicht von Richmond und Unterstützerin der Konföderierten.
Für ihre Rolle musste sich Olivia Niță unter anderem einen Südstaaten-Akzent aneignen. Das Casting fand gleichzeitig in London, Bukarest und den USA statt.
„Für das Casting bekam ich zwei Szenen, in denen ich Amanda spielen sollte. Dafür musste ich mit einem Südstaaten-Akzent sprechen, genauer gesagt mit einem für Virginia typischen Akzent. Mein Mann ist englischer Muttersprachler und kennt verschiedene Akzente sehr gut – er hat mir dabei enorm geholfen. Ich habe mir auch ‚Vom Winde verweht‘ und andere Filme angesehen, die in dieser Region und dieser Zeit spielen.
Offenbar habe ich mich ganz gut geschlagen, denn ich wurde zu den nächsten Castings eingeladen. Es gab mehrere Runden. Interessant war, dass alles gleichzeitig an verschiedenen Orten stattfand: Ich war in London, eine andere Schauspielerin in New York und die Verantwortlichen für das Casting saßen in mehreren Städten.
Alles lief aus der Distanz. Nachdem ich die Rolle bekommen hatte, arbeiteten wir mit einem Sprachcoach, der auf Akzente spezialisiert war. Er hat uns alle begleitet und dabei geholfen, den richtigen Akzent für den Film zu finden. Ich pendelte zwischen Bukarest und London, weil ich dort noch andere Verpflichtungen hatte. Es war eine sehr schöne und intensive Zeit, und ich habe es genossen, Teil dieser internationalen Filmwelt zu sein.“
Die Erfahrung in einer internationalen Produktion ist für Olivia Niță das Ergebnis einer mehr als zwei Jahrzehnte langen künstlerischen Entwicklung. Ihr erster Kontakt mit der Schauspielerei kam allerdings viel früher als erwartet. Sie war gerade einmal elf Jahre alt und besuchte eine Musikschule. Damals spielte sie Geige. Ein Casting-Agent wurde auf sie aufmerksam und suchte Kinder für eine Inszenierung von „Ein verlorener Brief“ am Nationaltheater in Bukarest.
Wenige Tage später stand sie zum ersten Mal auf der großen Bühne des Theaters und lernte den Regisseur Alexandru Tocilescu kennen.
„Ich erinnere mich noch genau, wie ich zu diesem Projekt kam. Es war Winter, im Januar, und ich besuchte das George-Enescu-Musikgymnasium. Ein Mitarbeiter des Casting-Teams sah mich mit meiner Geige und erzählte mir, dass Kinder für die Inszenierung von ‚Ein verlorener Brief‘ am Nationaltheater in Bukarest gesucht würden.
Er gab mir alle Informationen und kontaktierte meine Eltern. Sie waren völlig überrascht, denn eigentlich gab es in dem Stück überhaupt kein Kind. Einige Tage später stand ich dann auf der Bühne des Nationaltheaters und lernte den Regisseur Alexandru Tocilescu kennen. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, und er bat mich, Bach zu spielen. Zufällig kannte ich tatsächlich ein Stück von Bach. Wir sprachen auch über Katzen, weil wir beide Katzen mochten.
Heute, wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass ich damals nur ein Kind war und gar nicht verstanden habe, welche Bedeutung diese Erfahrung hatte. Ich stand mit Schauspielern auf der Bühne, die ich bewunderte und die später teilweise meine Lehrer wurden: George Ivașcu, Răzvan Vasilescu, Ion Lucian und Florin Zamfirescu. Ich hatte auch die Gelegenheit, mit Ștefan Iordache zu arbeiten.
Es war eine Erfahrung, bei der ich einfach gespielt und mich gefreut habe. Gleichzeitig war es der Moment, der mir ganz klar den Weg zum Theater eröffnet hat.“
Ihre Figur war die Tochter des Polizisten Pristanda, eines opportunistischen und unterwürfigen Beamten, der vor allem darauf bedacht ist, seine Position zu behalten und es den Mächtigen recht zu machen. Auch wenn die Figur keinen eigenen Namen hatte, war sie immer dort präsent, wo auch Pristanda auftauchte.
Nach diesem ersten Bühnenauftritt folgten Arbeiten für das Fernsehen, ein Schauspielstudium an der Nationalen Universität für Theater- und Filmkunst in Bukarest und anschließend weitere Studien in Großbritannien. Olivia Niță arbeitete seitdem an ganz unterschiedlichen Projekten – von rumänischen Produktionen bis hin zu internationalen Serien. „The Gray House“ gehört zu ihren jüngsten Erfahrungen mit einem internationalen Filmteam. Dabei war Rumänien nicht nur Drehort. Auch die Ausstattung und die Kostüme stammen von rumänischen Kreativen: dem Szenografen Adrian Curelea und der Kostümbildnerin Oana Păunescu.
Die Amazon-Prime-Miniserie bringt Schauspieler aus mehreren Ländern zusammen und wurde außerdem mit einer internationalen Filmmusik ausgestattet – unter anderem mit Titeln von Willie Nelson, Jon Bon Jovi und Shania Twain. Vorgestellt wurde „The Gray House“ schließlich beim Fernsehfestival von Monte-Carlo.