Die Vereinigung der rumänischen Fürstentümer von 1859 – Der Gründungsakt Rumäniens
Die Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei vom 24. Januar 1859 war eines der drei großen Ereignisse der rumänischen Geschichte des 19. Jahrhunderts.
Steliu Lambru, 16.02.2026, 17:38
Sie gilt – zusammen mit der Erringung der staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1877 und der Ausrufung des Königreichs 1881 – als Gründungsakt Rumäniens. Über die formale Vereinigung hinaus bedeutete sie jedoch eine Reihe intensiver Anstrengungen vonseiten der Eliten und des Volkes, damit sich der rumänische Staat überhaupt konstituieren konnte.
Der Historiker Ioan-Aurel Pop, Präsident der Rumänischen Akademie, ist der Ansicht, dass die Vereinigung der Rumänen zwar im Vergleich zu den Nationen Westeuropas spät erfolgte, deshalb jedoch nicht weniger beachtenswert ist.
„Wir denken, dass wir es, wir Rumänen, im Verhältnis zu anderen Völkern ziemlich spät geschafft haben. Von einigen Völkern Westeuropas heißt es, sie hätten es bereits im 15. und 16. Jahrhundert geschafft, Nationen zu werden und nationale Staaten zu bilden. Wir hier in Mittel- und Südosteuropa haben das viel später und schwieriger vollzogen. Die Rumänen sind die Letzten in dieser Reihe, wenn wir uns ebenfalls unter die Völker mit Geschichte einordnen wollen. Sie sind auch geografisch gewissermaßen exzentrisch gegenüber dem zentralen Teil des Kontinents gelegen. Als die Rumänen aus Siebenbürgen und der Bukowina im Heiligen Römischen Reich, später im Habsburgerreich und ab 1867 im österreichisch-ungarischen Reich lebten, galten sie als ein Volk ohne Geschichte. So wurde es auch in der Schule gelehrt.“
Die Emanzipation der Rumänen setzte ein, als die Idee des Nationalstaates und die Kenntnis der eigenen Vergangenheit entscheidend wurden für die Art und Weise, wie sich der Mensch des 19. Jahrhunderts die neue Welt vorstellte.
„Wir galten als ein Volk ohne Staatlichkeit, und weil wir keine Staatlichkeit hatten, galten wir als Volk ohne Geschichte. Der Aufbau nationaler Staaten in unserer Region vollzog sich im 19. Jahrhundert – bei allen umliegenden Völkern. Die Ersten waren die Griechen, die enorm vom Westen unterstützt wurden. Als Griechenland zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Befreiung erlangte, etwa zu der Zeit, als bei uns die Revolte stattfand und Tudor Vladimirescu auf dem Cotroceni-Hügel stand, bereit, in Bukarest einzuziehen – und er zog ein, war fast zwei Monate lang faktisch Herrscher und führte die ersten modernen Reformen ein. In Griechenland tobte der Kampf, und schließlich unterstützten die Großmächte die Unabhängigkeit Griechenlands. Ein berühmter englischer Dichter jener Zeit, Lord Byron, starb in Missolonghi mit etwas über zwanzig Jahren, aus romantischen Idealen heraus Griechenland verteidigend – nicht unbedingt, weil er die damaligen Griechen liebte, sondern weil er die Demokratie der antiken Griechen bewunderte.“
Die Rumänen waren nicht die Einzigen, die ihre eigene Vereinigung vollzogen. Es war eine Idee der Zeit, die auch andere aufgriffen.
„Und auch wir waren im 19. Jahrhundert an der Reihe. Dieses Volk machte sich einen Plan. Wie oft wurde behauptet, die Vereinigung sei uns von den Großmächten gemacht worden? Oder von exzentrischen Figuren, die nichts Besseres zu tun hatten? Oder von ausländischen Abenteurern? Es ist gut, auch einmal an uns selbst zu denken, an das, was unsere eigenen Leute getan haben. Waren sie alle passiv? Jene marginalisierten Bojaren der Walachei und Moldaus verfassten bereits um 1770–1780 Denkschriften für ein Königreich Dakien, während die Siebenbürger Petitionen an den Wiener Hof für die Rechte der rumänischen Nation in Siebenbürgen richteten.“
Die Vereinigung der Rumänen hatte somit eine eigene Dynamik, bevor sie 1859 Wirklichkeit wurde, so Ioan-Aurel Pop.
„Um 1840 wurden patriotische Gedichte geschrieben. Es gab die Idee, die wir – weil wir zeitgenössische Zeugnisse haben – Dako-Romanismus nennen: Man diskutierte, ob das neue Land Rumänien oder Dakien heißen sollte. Andere sagen, unsere Elite habe schon vor 1848 gewirkt. Die rumänischen Führer schufen die rumänische Nation mit nationalem Staat, weil hier bestimmte Voraussetzungen gegeben waren. An erster Stelle stand – was manche nicht glauben – der sprachliche Faktor. Die Sprache war fundamental. Mihail Kogălniceanu eröffnete 1843 seinen Kurs zur Nationalgeschichte an der Mihăileană-Akademie in Iași mit den Worten: ‚Ich nenne Vaterland jede Ausdehnung von Land, auf der Rumänisch gesprochen wird.‘ Vasile Alecsandri schrieb die ‚Hora Unirii‘ und veröffentlichte sie 1857. Andrei Mureșanu schrieb in Siebenbürgen das Gedicht ‚Un răsunet‘ – ‚Deșteaptă-te, Române!‘ – ebenfalls in jenen Jahren; veröffentlicht wurde es 1848, geschrieben hatte er es früher. Anton Pann, geboren auf dem heutigen Gebiet Bulgariens, ist der Komponist der Melodie der Nationalhymne.“
Die Vereinigung der Rumänen von 1859 war somit eine Idee, ein Wert, ein Sinn des Dasei
ns für die Menschen jener Zeit. Und sie ist heute ein identitätsstiftendes Element, ein Erbe und ein Vermächtnis.