Ältestes Gold der Welt in Bukarest: Ausstellung über prähistorische Bestattungsrituale aus Varna
Eine Reise in die Welt vor mehr als sechs Jahrtausenden – und zu den großen Fragen der Menschheit: Leben, Tod und Erinnerung. Das Stadtmuseum Bukarest zeigt derzeit eine außergewöhnliche Ausstellung über prähistorische Bestattungsrituale aus dem Raum Varna. Zu sehen ist sie im Palatul Suțu – und sie bringt einige der ältesten Goldfunde der Welt erstmals in dieser Form nach Rumänien.
Ion Puican und Alex Sterescu, 21.02.2026, 16:34
Die Ausstellung trägt den Titel „Die Reise in die Welt jenseits. Bestattungsrituale aus vorgeschichtlicher Zeit in der Region Varna“. Sie ist noch bis Ende März zu sehen und präsentiert spektakuläre archäologische Entdeckungen aus dem eneolithischen Gräberfeld von Varna in Bulgarien. Im Mittelpunkt steht die spirituelle Welt der Gemeinschaften des 5. Jahrtausends vor Christus. Gezeigt wird, wie diese frühen Gesellschaften den Übergang ins Jenseits verstanden – mit Ritualen, Symbolen und festen Glaubensvorstellungen.
Der Leiter der Abteilung für Systematische Archäologie und Geschichte, Vasile Opriș, erklärt die Idee hinter dem Projekt:
„Am 23. Oktober haben wir im Palatul Suțu die Ausstellung ‚Die Reise in die Welt jenseits‘ eröffnet. Sie zeigt Bestattungspraktiken aus Antike und Vorgeschichte in der Region Varna. Dass wir Artefakte aus Bulgarien nach Bukarest bringen konnten, ist etwas Besonderes – so etwas hat es bislang kaum gegeben.
Ich wusste als Prähistoriker schon lange, dass sich in Varna ein unschätzbarer Schatz befindet: Dort wurde das älteste bearbeitete Gold der Welt entdeckt. Ein Metall, das uns bis heute fasziniert – und offenbar auch die Menschen damals. Sie waren die ersten, die es nicht nur bewunderten, sondern auch verarbeiteten.
Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Bestattungsrituale in dieser Region. Varna mag heute einfach eine wichtige Stadt Bulgariens sein, doch in der Vorgeschichte war die Gegend äußerst dynamisch. Die Vielfalt der Rituale führt uns gewissermaßen im Zeitraffer durch die Geschichte Südosteuropas – mit Varna als zentralem Bezugspunkt, auch wegen dieses außergewöhnlichen Goldes.“
Besucher entdecken kostbare Goldartefakte – Diademe, Halsketten, Perlen und Grabapplikationen. Sie zählen zu den ältesten bekannten Goldobjekten der Menschheit. Die Funde zeigen nicht nur handwerkliches Können. Sie belegen auch klar erkennbare soziale Hierarchien. Die enorme Menge an Gold in einzelnen Gräbern weist auf frühe Eliten hin und zeichnet das Bild einer überraschend komplexen Gesellschaft. Gold hatte dabei eine doppelte Bedeutung: spirituelles Symbol und sichtbares Zeichen von Status.
Ergänzt wird die Schau durch Keramik- und Kultobjekte, die Vorstellungen von Leben, Tod und sozialer Ordnung widerspiegeln. Vasile Opriș schildert auch den langen Weg der Ausstellung nach Bukarest:
„Wir sprechen hier nicht von zwei oder drei Goldobjekten, sondern von Tausenden. In manchen Gräbern wurden regelrechte Mengen gefunden – eine bislang unbekannte Fülle. Dieses Gold verlässt das Museum in Varna nur sehr selten. Wenn doch, dann reist es normalerweise nach Tokio, Paris oder New York, in große Museen der Welt. Gerade deshalb wollten wir es auch nach Bukarest holen – wir sind schließlich Nachbarn.
Die Gespräche begannen schon 2022. Anfangs waren unsere Kollegen zurückhaltend. 2024 haben wir ihnen eine Ausstellung aus Bukarest nach Varna gebracht. Das hat offenbar überzeugt. In diesem Jahr waren sie bereit, uns ihre Ausstellung anzuvertrauen. Sie stammt konzeptionell von den Kollegen in Varna, wir haben sie hier gemeinsam umgesetzt. Und ich glaube, man sollte diese Artefakte wenigstens einmal im Leben sehen – wenn man nicht selbst nach Varna kommt, dann eben hier.“
„Die Reise in die Welt jenseits“ ist damit mehr als eine archäologische Präsentation.
Sie lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie Menschen seit jeher das Rätsel des Todes verstehen – und welche Vorstellungen von Erinnerung und Weiterleben sich durch die Jahrtausende ziehen.
Die über 6.000 Jahre alten Zeugnisse zeigen: Viele Fragen, die uns heute beschäftigen, stellten sich Menschen schon in der Vorgeschichte.