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PNL-Parteitag: Liberale auf der Suche nach sich selbst

Vergangenen Sonntag haben die Liberalen auf einem außerordentlichen Parteitag ihre Führungsriege neu aufgestellt. Der interimistische Premierminister Ilie Bolojan wurde ohne Gegenkandidat als Parteichef bestätigt. Doch innerhalb der Partei brodelt es – Flügelkämpfe vor dem Hintergrund der aktuellen Regierungskrise lassen die Zukunft der Partei ungewiss erscheinen.

Außerordentlicher Parteitag der PNL (Fotoquelle: Agerpres)
Außerordentlicher Parteitag der PNL (Fotoquelle: Agerpres)

und , 22.06.2026, 15:11

Wer die Geschichte der Nationalliberalen Partei erzählt, erzählt ein gutes Stück der modernen Geschichte Rumäniens. Die Staatsgründung im 19. Jahrhundert, die Vollendung des Nationalstaates nach dem Ersten Weltkrieg, die wirtschaftliche Blütezeit der Zwischenkriegsjahre oder der Beitritt zur Europäischen Union – die Liberalen waren an all diesen entscheidenden Meilensteinen maßgebend beteiligt oder standen sogar an ihrer Spitze.

Doch historische Verdienste garantieren keine politische Zukunft. Und so ist die PNL seit Jahren weniger durch ihre Rolle als staatstragende Kraft aufgefallen als durch ihre inneren Konflikte. Machtkämpfe, Abspaltungen, Ausschlüsse und fragwürdige politische Bündnisse haben dem Selbstbild der ältesten Partei des Landes erheblich zugesetzt. Zehn Parteichefs oder Übergangsvorsitzende innerhalb eines Jahrzehnts sprechen eine deutliche Sprache.

Der außerordentliche Parteitag am Sonntag in Bukarest sollte nun Stabilität demonstrieren. Auf den ersten Blick ist das gelungen. Ilie Bolojan wurde als einziger Kandidat ohne Schwierigkeiten erneut zum Vorsitzenden gewählt. Offene Tumulte blieben aus. Doch politische Einigkeit lässt sich nicht allein an der Lautstärke im Saal messen. Denn die Kritik kam bereits im Vorfeld. Adrian Veștea, der einzige mögliche Gegenkandidat, zog seine Bewerbung zurück und sprach von einer bloßen Inszenierung demokratischer Verfahren. Seine Warnung: In der Partei drohe eine Machtkonzentration, bei der kritische Stimmen systematisch an den Rand gedrängt würden.

Tatsächlich setzt Bolojan auf ein Führungsteam, das nicht ausschließlich aus gewachsenen Parteistrukturen stammt. Mit Oana Gheorghiu und Dragoș Pîslaru rücken zwei Persönlichkeiten in die Parteispitze auf, die erst seit kurzer Zeit den Liberalen angehören. Gheorghiu entstammt der Zivilgesellschaft, während Pîslaru Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer von Hause aus ist. Für die einen ist das ein Zeichen der Erneuerung. Für die anderen ein Beleg dafür, dass die traditionelle Parteibasis an Einfluss verliert.

Hinzu kommt, dass selbst enge Verbündete Bolojans derzeit nicht unbelastet sind. Der Bukarester Oberbürgermeister Ciprian Ciucu, oft als seine rechte Hand bezeichnet, verzichtete wegen eines laufenden Korruptionsverfahrens auf eine Kandidatur für das Amt des Ersten stellvertretenden Vorsitzenden. Die Vorwürfe weist er zurück. Doch politisch kommt der Vorgang zur Unzeit.

Auch die auffallend hohe Zahl fehlender Delegierter wirft Fragen auf. Rund ein Drittel der Kongressteilnehmer blieb dem Parteitag fern. Das mag organisatorische Gründe haben. Es könnte aber ebenso ein Hinweis darauf sein, dass der Widerstand gegen den neuen alten Vorsitzenden größer ist, als es das offizielle Ergebnis vermuten lässt.

Besonders bemerkenswert ist schließlich der Umgang mit den parteiinternen Kritikern. Einige von ihnen wurden ausdrücklich zum Austritt aus der Partei aufgefordert. Andernfalls drohe der Ausschluss. Das schafft kurzfristig Ruhe, beseitigt aber nicht zwangsläufig die Ursachen des Konflikts.

Die Nationalliberale Partei gehört zur Europäischen Volkspartei und galt lange als eine politische Kraft mit starkem Regierungsanspruch und Regierungsfähigkeit in Rumänien. Ob sie diese Rolle auch künftig wird ausfüllen können, bleibt offen. Doch die politische Landschaft in Bukarest befindet sich im Umbruch, die Unsicherheiten sind groß.

Fest steht allerdings schon heute: Die Wiederwahl Ilie Bolojans beendet den innerparteilichen Richtungsstreit nicht. Sie markiert lediglich den Beginn eines neuen Kapitels.

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