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Dokumentarfilm „Colectiv“: der feine Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge

Der Film Colectiv“ von Alexander Nanau, der im September bei den Filmfestspielen von Venedig seine internationale Premiere feierte, ist nun auch in den rumänischen Kinos angekommen.

Dokumentarfilm „Colectiv“: der feine Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge
Dokumentarfilm „Colectiv“: der feine Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge

, 28.03.2020, 17:30

Nach den Premieren in Venedig und Toronto, wo er positive Kritiken erhielt und überwältigende Reaktionen auslöste, war Colectiv“ der einzige Dokumentarfilm, der in der Sektion Spotlight“ des Sundance Film Festivals (vom 23. Januar bis 2. Februar 2020) gezeigt wurde. In der Sektion Spotlight“ laufen au‎ßergewöhnliche Filme, die im Vorjahr ihre Weltpremiere hatten. Der Beobachtungsdokumentarfilm Colectiv“ zeigt die Ereignisse im ersten Jahr nach dem tragischen Brand vom 30. Oktober 2015 im Bukarester Nachtclub Colectiv, bei dem 66 Menschen starben und 200 verletzt wurden. Der Film des Regisseurs und Produzenten Alexander Nanau, eine Koproduktion mit HBO Europe und Samsa Film, zeigt das Spannungsfeld zwischen den Behörden und den Journalisten bei dem Versuch, die Wahrheit zu finden. In Colectiv“ geht es um Menschen, die gegen das System kämpfen, um den feinen Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge, um Mut und Verantwortung. Der Regisseur Alexander Nanau über seine Beweggründe, diesen Film zu drehen:



Ich dachte, dass es notwendig war, diese Geschichte zu erzählen, und zwar genau zu erzählen, was passiert ist, um den Transformationsprozess zu verstehen, den die rumänische Gesellschaft durchläuft. Ich habe ein Team zusammengestellt, das für die Dokumentation zuständig war, wir haben das Thema in all seinen Aspekten recherchiert. Wir mussten uns auf die Presse konzentrieren, da die Presse als einzige in der Lage war, das wahre Verhältnis zwischen Behörden und Bürgern zu zeigen. Deshalb haben wir uns entschieden, die Geschichte durch die Augen der Presse sehen zu lassen. Damals wagten es nur drei Journalisten von der Zeitung »Gazeta Sporturilor«, nämlich Cătălin Tolontan, Mirela Neag und Răzvan Luţac, Fragen über den Brand und die darauffolgenden Ereignisse zu stellen. In allen Medien haben die Verantwortungsträger nur gelogen, wir wurden mit einer totalen Desinformation konfrontiert. So hie‎ß es beispielsweise, dass es möglich sei, die Opfer in Rumänien zu operieren, weil es in den rumänischen Krankenhäusern die notwendigen Einrichtungen gäbe, aber das Team von »Gazeta Sporturilor« entdeckte, dass die Station für Brandverletzte im Bukarester Krankenhaus Floreasca in Wirklichkeit geschlossen war. An diesem Punkt wurde uns klar, dass es dazu noch mehr zu sagen gab. Und da das Team von Cătălin Tolontan für seine gründliche Recherchearbeit bekannt war, beschlossen wir, mit den Journalisten zu sprechen, um zu sehen, ob sie neue Informationen gefunden hatten, um die Lügen der rumänischen Behörden aufzudecken. Zuerst waren die Journalisten zurückhaltend, aber da unser Team auch solide Nachforschungen zu diesem Thema angestellt hatte, begannen sie, uns zu vertrauen, und so begann unsere Zusammenarbeit. Während der Dreharbeiten hatten wir das Gefühl, einen echten Thriller zu verfolgen, der aber von wahren Begebenheiten handelte.“




Von Zeit zu Zeit öffnet ein Film nicht nur die Augen des Betrachters, er rei‎ßt einem das Herz und enthüllt eine moralische Kluft, die über das Ursprungsland der Produktion hinausgeht. Der Film »Colectiv« von Alexander Nanau ist eine bemerkenswerte Dokumentation über ein unvorstellbares Ma‎ß an Korruption im Zentrum des rumänischen Medizinsystems. Ein Film, der wirklich in der Zeit, in der wir leben, verankert ist und der es verdient, weit verbreitet zu werden“, schrieb die Publikation Variety, über Colectiv“. Und der Regisseur Alexander Nanau erzählt, wie er sich mit dem Thema auseinandersetzte:



Für mich hat jede Themenwahl einen Bezug zu dem, was ich vom Leben, von anderen Menschen lernen will. Das führt mich zu einem Thema. Ich versuche immer, mein Wissen zu erweitern, und der Dokumentarfilm — insbesondere der Beobachtungsdokumentarfilm, bei dem man sich ein Jahr oder sogar länger mit dem gewählten Thema beschäftigt — gibt einem die Möglichkeit, seine Erfahrungen und seine Gefühle in eine Geschichte zu übertragen. Dieser Prozess ist eine äu‎ßerst kraftvolle Lebensschule, ich könnte sagen, dass die Wahl eines Themas für einen Dokumentarfilm fast wie die Wahl eines Lebenspartners ist. Das Thema, das man wählt, wird zum Partner, und beide Partner wachsen zusammen. Der Regisseur spiegelt sich in sein Thema wider, es entsteht eine Beziehung, in der die Partner zusammenwachsen.“




Der deutsch-rumänische Regisseur und Filmproduzent Alexander Nanau studierte Regie an der renommierten Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (DFFB) und ist zweifacher Stipendiat, am Sundance Institute und an der Akademie der Künste in Berlin. 2007 gründete er in Rumänien die Produktionsfirma Alexander Nanau Production. Sein Dokumentarfilm The World According to Ion B.“ gewann 2010 die Trophäe Emmy International in der Kategorie Arts Programming“, und die Dokumentation Toto und seine Schwestern“ wurde im Jahr 2015 für die European Film Academy Awards nominiert. Alexander Nanau war auch Bildregisseur für die deutsch-französische Dokumentation Nothingwood“, die in Afghanistan gedreht wurde und 2017 in Cannes in der Sektion Quinzaine des Réalisateurs“ Premiere hatte.

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