Nicușor Dan bei der UNO: Mehr Verteidigungsausgaben gegen russische Bedrohung
Rumäniens Präsident Nicușor Dan hat bei seinem ersten Auftritt vor der UN-Generalversammlung den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf kritisiert. Er bekräftigte die Unterstützung Rumäniens für die Ukraine und warnte zugleich vor einer zunehmenden hybriden Bedrohung für Europa. Dabei ging es auch um die Rolle Rumäniens in der Region und um höhere Verteidigungsausgaben.
Ştefan Stoica und Alex Sterescu, 24.09.2026, 12:40
Bei seiner ersten Rede vor der UN-Generalversammlung in New York hat Rumäniens Präsident Nicușor Dan die russische Aggression gegen die Ukraine scharf verurteilt. Russland spiele auf der internationalen Bühne eine destabilisierende Rolle, sagte Dan.
Der Krieg gegen die Ukraine befinde sich inzwischen im fünften Jahr. Russland habe als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats seine grundlegende Verantwortung für die Wahrung von Frieden und internationaler Sicherheit aufgegeben und verfolge stattdessen eine revisionistische Politik.
Rumänien bekomme die Folgen des Krieges unmittelbar zu spüren. Als EU-Land mit der längsten Grenze zur Ukraine sei der rumänische Luftraum wiederholt verletzt worden. Dan erinnerte auch an einen erst kürzlich registrierten Drohnenvorfall. Eine Drohne sei auf ein Wohngebäude gestürzt, dabei seien Menschen verletzt und Sachschäden verursacht worden. An der Unterstützung für die Ukraine will Rumänien trotzdem festhalten. Dan bekräftigte, sein Land werde die Ukraine und ihre Bevölkerung bei der legitimen Selbstverteidigung so lange unterstützen, wie dies notwendig sei.
Rumänien leiste dabei nicht nur militärische Hilfe. Das Land unterstütze auch ukrainische Flüchtlinge und habe nach den russischen Angriffen auf ukrainische Häfen und die Getreideinfrastruktur den Transit ukrainischen Getreides über rumänisches Territorium ermöglicht – sowohl auf der Schiene als auch über die Wasserwege. Auch beim Schutz der Schifffahrt im Schwarzen Meer beteiligt sich Rumänien an regionalen Maßnahmen. Gemeinsam mit Bulgarien und der Türkei ist das Land Teil einer Einsatzgruppe gegen Seeminen.
Als weitere Folge des Krieges nannte Dan die Gefährdung der Energieversorgung in der Region. Rumänien habe deshalb seine Energieverbindungen mit der Ukraine und der Republik Moldau ausgebaut. Besonders wichtig sei die Unterstützung für die Republik Moldau. Sie sei nach der Ukraine das am stärksten vom Krieg betroffene Land in der Region. Moldau müsse nicht nur mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges umgehen, sondern auch mit einer anhaltenden hybriden Kampagne. Dazu gehörten Desinformation, Druck auf die Energieversorgung und Versuche, die demokratischen Institutionen des Landes zu destabilisieren.
Auch für Europa insgesamt sieht Dan eine wachsende Bedrohung. Russland beschränke seine Aktivitäten nicht auf die Ukraine. Europa sei mit einer hybriden Kriegsführung konfrontiert, die von Cyberangriffen und Desinformationskampagnen bis hin zu Sabotage und Angriffen auf kritische Infrastruktur reiche. Ziel sei es, das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Institutionen zu schwächen und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.
Aus Sicht des rumänischen Präsidenten muss Europa deshalb seine Verteidigungsfähigkeit weiter stärken. Eine glaubwürdige Abschreckung gegenüber Russland sei nur mit höheren Militärausgaben möglich. Rumänien unterstütze deshalb auch das NATO-Ziel, insgesamt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung und damit verbundene Ausgaben bereitzustellen. In diesem Jahr liege Rumänien bei 3,7 Prozent.