EU will Wettbewerbsfähigkeit stärken
Die Europäische Union will ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken. Auf einem informellen Gipfeltreffen nahe Brüssel haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU am Donnerstag auf mehr Effizienz und weniger Bürokratie für Unternehmen geeinigt. Damit reagiert die Union auf den wachsenden globalen Wettbewerbsdruck durch die USA und China.
Daniela Budu und Sorin Georgescu, 13.02.2026, 14:53
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, der Binnenmarkt solle weiter vertieft werden. „Ein Europa, ein Markt“ – das sei die gemeinsame Ambition, erklärte sie. Wettbewerbsfähigkeit sei ohne zusätzliche Investitionen nicht möglich, unterstrich der Präsident des Europäischen Rates, António Costa. Die EU-Spitzen einigten sich darauf, den Aufbau einer Union der Volkswirtschaften und Investitionen zu beschleunigen, die Fusionsregeln zu überprüfen, um sogenannte europäische Spitzenreiter zu ermöglichen und die Expansion von Unternehmen zu erleichtern.
Der rumänische Präsident Nicușor Dan, der ebenfalls an dem Treffen teilnahm, erklärte, die Kommission habe zusätzliche Vorschläge zur Senkung der Energiepreise angekündigt. Europa sei unter anderem wegen höherer Energiekosten weniger wettbewerbsfähig als die USA oder China, so Dan. Auf einer Pressekonferenz nach dem Gipfel sagte er, auf europäischer Ebene zeichne sich eine Mehrheit der Mitgliedstaaten ab, die Investitionen in ein gemeinsames Stromnetz mit einem einheitlichen Markt und möglichst einheitlichen Preisen befürworte. Trotz gewisser Vorbehalte einiger Länder, die günstige – insbesondere erneuerbare – Energie produzierten, wachse die Unterstützung für ein echtes europäisches Stromnetz, um einen tatsächlich einheitlichen Energiemarkt zu schaffen. Zugleich stellten die Staats- und Regierungschefs klar, dass sie keinen protektionistischen Markt anstreben. Europa müsse jedoch auf bestimmte unfaire Wettbewerbspraktiken reagieren, um seine Wirtschaftssektoren zu schützen.
Für April kündigte Präsident Dan einen Vorschlag der Kommission für ein einheitliches System an, mit dem sich Unternehmen in jedem Mitgliedstaat registrieren lassen können – ein sogenanntes „28. Regime“ für Firmen. Vertreter der Wirtschaft beklagten zu Recht die überbordende Bürokratie, sagte er. Als Beispiel nannte der Präsident die Kosten für die Einhaltung von Vorschriften: Europäische Unternehmen gäben dafür doppelt so viel aus wie für Forschung und Entwicklung – ein klarer Wettbewerbsnachteil. Die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit sei zudem eng mit dem künftigen EU-Haushalt verknüpft. Die Gespräche über den mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2034 würden eng mit Fragen der Wettbewerbsfähigkeit verzahnt sein, so Dan.
In den kommenden Monaten will die Kommission weitere Vorschläge vorlegen. Im Juni ist nach Angaben des rumänischen Präsidenten eine Debatte über Zertifikate für Treibhausgasemissionen vorgesehen. Außerdem soll bei jeder Sitzung des Europäischen Rates künftig ein eigener Abschnitt zur Wettbewerbsfähigkeit auf der Tagesordnung stehen.