Er ist die feste Größe der rumänischen Kultur – der Dichter Mihai Eminescu. Man kann ihn aber auch als das unsichtbare Band begreifen, das die Rumänen zusammenhält. Genau diesen Blickwinkel schlägt uns Camelia Manea vor, Dozentin an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie Politehnica Bukarest. Die Dozentin lädt uns ein, eine mögliche „Via Eminesciana“ zu entdecken. Als erfahrene Reisende war Camelia Manea selbst oft an den Orten unterwegs, an denen einst Mihai Eminescu wandelte – immer auf der Suche nach den heutigen Spuren seines Weges.
Warum also eine „Via Eminesciana“? Dazu Camelia Manea, Dozentin an der Fakultät für Bildungswissenschaften:
„Mir ist klar geworden, dass wir die Ereignisse von damals sichtbar machen sollten, indem wir diese für uns neue Idee wagen – denn Kulturrouten im eigentlichen Sinne haben wir in Rumänien nicht. Im Ausland gibt es diese schöne Tradition, große Persönlichkeiten und die kleinen Stationen ihres Lebensweges zu würdigen. Es ist eine Route, die die Herzen der Rumänen verbindet. In diesem Jahr jährt sich glücklicherweise zum 160. Mal seine geradezu initiatorische Reise von Czernowitz nach Blaj. Eminescu brach damals unter ziemlich widrigen Umständen für einen 16-jährigen Jungen auf: Am 24. Januar 1866 – nach altem Kalender – stirbt sein Lehrer Aron Pumnul. Dessen Schüler, und allen voran Eminovici, wie er sich damals noch schrieb, bringen eine Broschüre heraus: ‚Die Tränchen der Gymnasiasten am Grabe ihres geliebten Lehrers‘. Im selben Jahr 1866, am 25. Februar, feiert er sein Debüt in der Zeitschrift ‚Familia‘ von Iosif Vulcan in Pest, mit dem Gedicht ‚De-aș avea‘ (Wenn ich hätte). Vulcan veröffentlicht das Gedicht unter dem Namen Eminescu – und zeigt damit von Anfang an seine Abneigung gegen die slawische Namensendung. In der Zwischenzeit hatte die Zeitschrift zwölf Gedichte zugeschickt bekommen, und man sieht: Schon damals zeichnete sich das Schicksal eines großen Botschafters der rumänischen Kultur ab.“
Welche Zwischenstopps gäbe es auf dieser „Via Eminesciana“? Camelia Manea:
„Ich bin diese Strecke in Teilen mehrmals abgefahren, selbst von dieser Neugier getrieben, und fand mich plötzlich auf einer Reise durch die Dörfer der Bukowina wieder: von Czernowitz südwärts, von Storozhynetz über Crasna, nach Vicov, Marginea, Solca… das sind geradezu mythische Gegenden von einer atemberaubenden Schönheit! Der Halt in Gura Humorului ist ein absolutes Highlight. Von dort ging es weiter nach Câmpulung Moldovenesc und Vatra Dornei. Es ist faszinierend: Eminescu beweist damals eine unglaubliche Reife; er verlässt Czernowitz, weil er seine Studien dort nicht fortsetzen konnte, und will nach Blaj, um seine Abschlussprüfungen abzulegen. Wie ist er gereist? Wo hat er übernachtet? Es gibt nicht viele Zeugnisse darüber. Er kam durch Gura Humorului, wo er das Kloster Humor besichtigen konnte, er war in Voroneț, der Stiftung der Fürsten Alexander der Gute und Stefan der Große. Auch Câmpulung hat seinen ganz eigenen Zauber mit dem Marktplatz, der sich am Fluss Moldova entlangzieht, und den schönen Häusern, in denen er zu Gast war. Eine lokale Legende besagt, dass Mihai Eminescu bei einem Bauern in Sadova einkehrte, um Folklore zu sammeln. Ich war in Sadova, und die Menschen dort sind wirklich fantastisch: Wenn du Durst hast und sie sehen, dass du nicht von hier bist, kommen sie mit einem Krug Wasser ans Tor. Heute gibt es in Câmpulung Moldovenesc eine Straße, die seinen Namen trägt, im Park steht eine Büste des Bildhauers Ioan Lucian Murnu, und auf dem Steinsockel sind neben dem Namen des Dichters auch Verse aus seinem Gedicht ‚An die Bukowina‘ eingemeißelt.“
Welche Orte könnten noch Teil der „Via Eminesciana“ werden? Camelia Manea:
„Der nächste Halt ist Vatra Dornei. Auch hier finden wir eine Eminescu-Büste, geschaffen von Ion Ionescu. Der Ortsname Vatra Dornei taucht um 1875 in seinem Gedicht ‚Doina‘ auf – diese Reise hat Eminescu also tief geprägt. Wenn wir uns heute umschauen, sehen wir: In all diesen Orten, die er durchquert hat, gibt es Büsten, Straßen, Parks oder Gedenktafeln, die im Grunde schon an diese ‚Via Eminesciana‘ erinnern. Es wäre einfach schade, nicht zu versuchen, diesen Weg offiziell zu markieren – einen Weg, der, wie gesagt, die Seele der Bukowina-Rumänen, inklusive derer jenseits der Landesgrenzen, mit den Rumänen in Siebenbürgen, mitten im Herzen des Ardeal, vereint.“
Wenn wir uns also auf die Via Eminesciana begeben, stoßen wir im Grunde auf herausragende Persönlichkeiten, die weithin bekannt waren…
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