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Vizepremier Oana Gheorghiu: „Rumäniens Wirtschaftsmodell muss reformiert werden“

Rumänien muss in eine neue Entwicklungsphase eintreten. Eine Phase, die nicht mehr auf billiger Arbeitskraft, EU-Geldern und Überweisungen aus der Diaspora basiert. Darauf machen Regierungspolitiker in Bukarest aufmerksam.

Vizepremierministerin Oana Gheorghiu (Fotoquelle: gov.ro)
Vizepremierministerin Oana Gheorghiu (Fotoquelle: gov.ro)

und , 02.04.2026, 17:15

Rumänien hat in den vergangenen 20 Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Doch das bisherige Wachstumsmodell stößt an seine Grenzen. Es basiert auf niedrigen Löhnen, europäischen Fördermitteln und Geldüberweisungen von im Ausland arbeitenden Rumänen. Das sagte Vizepremierministerin Oana Gheorghiu, eine parteilose Sozialunternehmerin und Aktivistin.

Ein Teil der EU-Gelder fällt noch in diesem Jahr weg. Grund ist das Auslaufen des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans Ende August. Auch die Überweisungen aus der Diaspora gehen zurück. In den vergangenen zehn Jahren summierten sie sich zwar auf mehr als 52 Milliarden Euro. Doch steigende Lebenshaltungskosten in Europa drücken diese Beträge zunehmend. Für die Regierung ist klar: Der Staat muss sich reformieren – und braucht dafür Geld, so Vizepremierministerin Gheorghiu:

„Rumänien braucht Investitionen und ausländisches Kapital. Dafür muss das Land, meiner Meinung nach, drei wesentliche Dinge erfüllen: die Reform der Staatsunternehmen, den Beitritt zur OECD und die Umsetzung dessen, was wir von der OECD lernen; und das dritte Element ist Stabilität sowie finanz- und haushaltspolitische Disziplin. Ausländisches Kapital achtet nicht nur auf Chancen, sondern auch auf Stabilität und Risiken. Und hier hat Rumänien noch viel nachzuholen.“

Der Beitritt zur OECD soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das teilt die Regierung in Bukarest mit. Koordinator des Prozesses ist der Diplomat Luca Niculescu – er sieht darin sieht darin klare Vorteile:

„Der OECD-Beitritt bringt mehr ausländische Investitionen und Investitionen von besserer Qualität, da es große Investmentfonds gibt, die sich nur für OECD-Mitgliedsländer interessieren. Er bringt auch Zugang zu den besten Daten und Statistiken der Welt sowie größere Sichtbarkeit, da wir nicht nur mit europäischen Ländern, sondern auch mit vielen anderen Staaten weltweit an einem Tisch sitzen werden. Und schließlich führt all das zu einem größeren Einfluss Rumäniens auf globaler Ebene.“

Bis dahin steht dem Land jedoch eine Phase der Unsicherheit bevor. Finanzminister Alexandru Nazare spricht von einer echten Bewährungsprobe. Entscheidend sei, den fiskalischen Kurs zu halten und die internationalen Defizitziele einzuhalten – ohne Unternehmen zu belasten oder soziale Verwerfungen auszulösen.

Gleichzeitig wächst der Unmut im Land. Die Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft und zum Abbau des Rekorddefizits stoßen auf Widerstand. In den letzten Tagen haben Tausende Menschen protestiert. Darunter Beschäftigte der Werft Damen Mangalia – sie warten seit drei Monaten auf ihre Löhne. Auch Bergleute aus Lupeni gingen auf die Straße. Sie kritisieren die Verlängerung ihrer befristeten Verträge um nur vier Monate. Und Mitarbeiter der Düngemittelfabrik Azomureș fürchten um ihre Jobs – das Werk steht vor einem Eigentümerwechsel.

All das geschieht in einer Phase steigender Preise – vor allem bei Kraftstoff. Rumänien gehört zudem weiterhin zu den einkommensschwächsten Ländern der EU. Der Mindestlohn liegt bei 795 Euro – der drittniedrigste in Europa. Auch die durchschnittlichen Arbeitskosten zählen zu den niedrigsten: 13,60 Euro pro Stunde.

Foto: pixabay.com
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