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Kohl, Kartoffeln – und die Frage nach dem Wir: Die Fortsetzung eines rumänischen Dokumentarfilms

Im Jahr 2015 begab sich der Regisseur Șerban Georgescu auf eine ungewöhnliche Reise durch die ländliche Realität Rumäniens. Was er dabei entdeckte, hielt er in einem Dokumentarfilm fest, der später große Aufmerksamkeit erregte: Kohl, Kartoffeln und andere Dämonen. Nach zehn Jahren wollte Georgescu das Publikum mit einer Nachbereitung überraschen.

Afiş Varză, cartofi şi alţi demonifacebook.com/Kolectiv.Ro/?locale=ro_RO
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und , 13.09.2025, 14:43

Der Film erzählt die Geschichte der Dorfbewohner von Lungulețu, einem kleinen Ort unweit von Bukarest. Sie kämpfen darum, aus einem Teufelskreis aus Armut und Perspektivlosigkeit auszubrechen – einem Kreislauf, der über Generationen hinweg kaum zu durchbrechen war.

Kurz gesagt: ein Dorf, tausend Traktoren, hunderttausend Tonnen Kohl – aber null Gewinn. Um genau das zu verstehen, zog der Regisseur für ein Jahr nach Lungulețu. Er bearbeitete ein Feld – gemeinsam mit den Bauern –, fuhr Traktor, pflanzte Kohl und versuchte, die Ernte zu verkaufen. So wollte er herausfinden, warum diese Familien trotz aller Voraussetzungen – fruchtbarer Boden, moderne Maschinen, reiche Ernten – am Ende in Schulden versinken.

Kohl, Kartoffeln und andere Dämonen traf einen Nerv – nicht nur beim Kinopublikum, sondern in der gesamten rumänischen Gesellschaft. Der Film lief auf großen Festivals wie DOK Leipzig, in Kiew, Brüssel und bei One World Romania. Aber er war auch dort zu sehen, wo sonst kaum ein Dokumentarfilm hinkommt: Auf dem Erntetag in Slatina – vor über tausend Landwirten. Zum Auftakt des UN-Jahrzehnts für bäuerliche Familienbetriebe. Und in 36 Gymnasien, im Rahmen des Bildungsprogramms „One World Romania at School“.

Zehn Jahre nach seinem ersten Experiment kehrte Șerban Georgescu nach Lungulețu zurück.  Wieder mit der Kamera – und mit vielen Fragen: Haben die Dorfbewohner inzwischen gelernt, gemeinsam zu handeln? Vertrauen gefasst – in ein „Wir“, in Führung, in Organisation? Oder kämpfen sie immer noch allein – jeder für sich?

Für seinen neuen Film hat Georgescu seinen besonderen Ansatz beibehalten:
Er hat wieder mitangepackt. Gearbeitet wie die meisten Menschen in Lungulețu. Nicht als Beobachter – sondern mittendrin. Wir haben mit ihm über diesen ungewöhnlichen Zugang gesprochen – und über das, was sich in zehn Jahren verändert hat.

 Es war gar nicht so leicht, diese Formel zu finden. Ich bin nicht mit dem Plan dorthin gegangen, ein ganzes Jahr zu bleiben – das hat sich erst ergeben. Allein die Recherche hat fast vier Monate gedauert. Gerade bei solchen Dokumentarfilmen ist es schwierig, die richtigen Protagonisten zu finden. Und selbst wenn man sie findet, weiß man nie, ob sie bereit sind, ein Jahr – oder sogar länger – an so einem Projekt teilzunehmen. Das ist eine lange Zeit. Aber in diesen Monaten der Annäherung wurde mir klar: Das könnte eine echte Geschichte werden – wenn ich selbst dabei bin, mit meinem Blick als Städter. Und so beginnt der Film: Ich bin mit meiner Mutter auf dem Markt in Bukarest. Sie will Gemüse kaufen – möglichst billig.

Als ich 2015 den ersten Teil des Films drehte, gab es in Bukarest noch mehrere Märkte, wo man oft hörte: „Viel zu teuer, was die Bauern da verlangen!“
Viele Stadtbewohner konnten die Preise nicht nachvollziehen – und verstanden die Realität dahinter nicht. Deshalb habe ich mich entschieden, selbst Teil der Geschichte zu werden. Ich wollte eine Brücke schlagen – zwischen Stadt und Land. Ich habe wie ein Bauer gelebt. Habe gepflanzt, bewässert, geerntet – bei 40 Grad im Sommer. Oder im Winter, bei Frost, wenn die Hände gefrieren. Und danach: ab auf den Markt. Manchmal wartet man dort tagelang – um dann weniger zu bekommen, als man investiert hat. Oder gar nichts.

 Der zweite Teil des Dokumentarfilms Kohl, Kartoffeln und andere Dämonen ist über Online-Streaming frei zugänglich. Der Moment wurde auch durch ein besonderes Ereignis markiert, eine Vorführung in Anwesenheit des Teams im Kino des Bauernmuseums in Bukarest. Șerban Georgescus Rückkehr nach Lungulețu wirft die Frage auf, ob die rumänische Gesellschaft in ihrem Innersten zu Veränderungen fähig ist und ob ein Dokumentarfilm die Macht hat, das, was er beobachtet, positiv zu beeinflussen.

Ein wichtiger Punkt: Der erste Film entstand 2015 – also fast acht Jahre nach dem EU-Beitritt Rumäniens. Damals öffnete sich der Markt – aber die Landwirte waren nicht vorbereitet. Und wie auch? Niemand kann sich in ein paar Jahren auf so tiefgreifende Veränderungen einstellen. Wir alle wurden von diesem Wandel überrascht. Aber in der Stadt hatten wir wenigstens Zugang zu Informationen – im Dorf war das ganz anders. Jetzt, zehn Jahre später, bin ich zurückgekehrt. Zurück zu den Menschen aus dem Film. Zu Nelu Fisch, zu Spatz, zu George – großartige Charaktere, die das Leben auf dem Land widerspiegeln wie kaum jemand sonst. Und was sie heute sagen, zeigt, dass sich etwas bewegt hat. Sie alle wissen inzwischen: Ohne europäische Fördermittel geht es nicht mehr. Die Zeiten sind schwierig – politisch wie sozial –, aber die Mentalität hat sich verändert. Und das ist wichtig. Dass man das erkennt. Und dass man es ausspricht.

 „Kohl, Kartoffeln und andere Dämonen. Nach 10 Jahren“ wird von Kolectiv Film in Zusammenarbeit mit dem Verband der Filmemacher UPFAR-ARGOA produziert.

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