Religiöse Druckwerke aus den rumänischen Fürstentümern für levantinische Christen
Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert waren die rumänischen Fürstentümer ein Teil jener kulturellen Welt, die unter der Vorherrschaft des Osmanischen Reiches stand. An der Peripherie der islamischen Expansion gelegen, entwickelten sich die rumänischen Länder zu Unterstützern der christlichen Gemeinden im Nahen Osten – insbesondere durch die Herausgabe religiöser Bücher. So entstanden auf rumänischem Boden die ersten christlich-orthodoxen Texte in arabischer Sprache.
Steliu Lambru und Sorin Georgescu, 14.07.2025, 17:30
Der Experte für alte und seltene Bücher, Policarp Chițulescu, gibt Einblicke in die Bedeutung, die diese Druckwerke aus der Walachei und Moldau für die levantinischen Christen hatten:
„Von Alexandria in Ägypten über Jerusalem bis hinauf nach Beirut lebten christliche Gemeinden, die keinerlei Möglichkeit hatten, religiöse Bücher in ihrer Sprache zu drucken. Warum? Weil das Osmanische Reich, das diese Gebiete kontrollierte, den Christen wirtschaftliche und soziale Diskriminierung auferlegte. Oft wurden sie gezwungen, ihrem Glauben abzuschwören, weil sie die hohen Steuern nicht bezahlen konnten. Ganze Kirchen gingen verloren – aus finanziellen Gründen. An den Druck von Büchern, die den Glauben pflegen und weitergeben sollten, war kaum zu denken. Deshalb begaben sich Patriarchen aus Antiochia, Alexandria, Jerusalem oder Konstantinopel auf beschwerliche Reisen in christlich regierte Länder – in der Hoffnung auf Unterstützung und Hilfe für ihre bedrängten Gemeinden.“
Die Geschichte dieser Druckwerke beginnt Ende des 17. Jahrhunderts – unter der Herrschaft von Constantin Brâncoveanu, dem Märtyrerfürsten der Walachei, und mit Hilfe seines engen Vertrauten, des georgischen Schriftsetzer-Meisters Antim Ivireanul, ebenfalls ein Heiliger der Orthodoxie.
„Damals, im Jahr 1701, wurde im Kloster Snagov bei Bukarest das erste orthodoxe Buch in arabischer Sprache überhaupt gedruckt: die Heiligen Liturgien. Die Drucke zeugen von großer handwerklicher Sorgfalt und spiritueller Hingabe. Brâncoveanu finanzierte nicht nur diese Werke, sondern auch die Drucktechnik. Der Patriarch Athanasius III. Dabbas – ein enger Vertrauter Brâncoveanus und des Typographen-Meisters Ivireanul – nahm nicht nur zwei dieser Werke mit zurück nach Syrien, sondern auch eine Druckerpresse samt Fachleuten. In Aleppo richtete er damit eine Druckerei ein, aus der 1706 ein Evangelium und ein Psalter hervorgingen – letzterer versehen mit Brâncoveanus Wappen: ein Zeichen des Dankes der orthodoxen arabischen Gemeinde.“
Doch das Engagement der rumänischen Fürsten reichte weiter – über das Schwarze Meer hinweg bis nach Georgien. Der geistige Charakter des Orients – so Chițulescu – war stets mehr von Kontemplation als von theologischer Systematik geprägt. Auch das spiegelt sich in den Buchproduktionen jener Zeit:
„Ein weiteres Zeugnis der rumänischen Mäzenatentätigkeit: 1709 wurde in Tiflis ein Evangelium gedruckt, das Antim Ivireanul eigenhändig signierte – als Geschenk für den Förderer des Glaubens im Kaukasusgebiet. Der Osten interessierte sich traditionell stärker für Poesie, Gebet und Mystik – obwohl er auch große Theologen wie Johannes von Damaskus hervorbrachte. Dogmatische Spekulationen waren seltener. Deshalb begann der arabisch-orthodoxe Buchdruck mit Liturgie- und Gebetsbüchern. Später kamen Evangelien mit Kommentaren, Psalter, Bußschriften und Predigten hinzu, die alle in Aleppo bis 1711 gedruckt wurden. Viele dieser Inhalte hatten rumänische Vorlagen – nicht nur textlich, sondern auch grafisch.“
Der Märtyrertod Brâncoveanus durch Hinrichtung in Istanbul im Jahr 1714 bedeutete keineswegs das Ende dieser Hilfe für die Christen in der Levante. Die rumänischen Fürstentümer führten ihre Unterstützung fort – unter anderem mit dem Patriarchen Silvester von Antiochia, wie Policarp Chițulescu, Experte für alte und seltene Bücher, weiter ausführt.
„In der Mitte des 18. Jahrhunderts besuchte er mehrfach die Walachei und die Moldau. Dort traf er auf Fürsten wie Constantin und Ioan Mavrocordat, Söhne des bedeutenden Herrschers Nikolaos Mavrokordatos. Auch sie unterstützten den Druck theologischer Schriften – viele davon sind erst in neuerer Zeit entdeckt worden. In Jassy und Bukarest entstanden in dieser Zeit zahlreiche arabischsprachige Werke. Manche dieser Druckwerke erläuterten die Position der orthodoxen Kirche gegenüber der Union mit Rom, die ein Teil der antiochenischen Christen 1724 eingegangen war.“
Fazit: Der rumänische Kulturraum – in seiner historischen Gestalt als die Fürstentümer Walachei und Moldau – war nicht nur ein Empfänger kultureller Einflüsse, sondern auch ein aktiver Sender. Die dort gedruckten Bücher waren Lichtquellen für viele orientalische Christen, die in bedrängter Zeit Trost und Halt in ihrem Glauben suchten.